Der Priester als Werkzeug Gottes

In den Fußstapfen des Ewigen Hohenpriesters
Es ist eine unbeschreibliche Freude und ein Vorrecht, Gott in seiner Kirche auf Erden dienen zu dürfen; mehr noch: es ist dies eine Gnade, also ein ganz und gar ungeschuldetes Geschenk, das jede andere Ehre und Würde auf Erden übertrifft.

Denn das katholische Priestertum ist eine sakramentale Teilhabe am Priestertum Jesu Christi, das seinerseits auf der Vereinigung der zweiten göttlichen Person mit einer menschlichen Natur beruht. Unser Herr Jesus Christus ist Priester auf ewig nach der Ordnung des Melchisedech (Ps. 109,4; Hebr. 7,17) durch die Salbung seiner Menschheit mit der Gottheit im Augenblick der Annahme dieser menschlichen Natur im reinsten Schoße Mariens. Folglich rührt der menschliche Priester an Göttliches. Er und nur er ist dazu berufen, in sichtbarer Weise das ewige Priestertum Jesu Christi auf Erden darzustellen und dessen Erlösungswerk bis ans Ende der Zeiten fortzusetzen: Im heiligen Meßopfer, welches das Kreuzesopfer von Kalvaria auf den Altären der Christenheit in unblutiger Weise erneuert und fortsetzt, betet er die allerheiligste Dreifaltigkeit im Namen der ganzen Kirche an und verherrlicht den Allerhöchsten durch den Lobpreis des fleischgewordenen Wortes; er dankt für alle Gnaden und Gaben, die Gott täglich auf die Kirche und die Seelen ausgießt, entsühnt das Menschengeschlecht durch die Aufopferung des Blutes des geschlachteten Lammes und bittet um Segen und Wohlgefallen am göttlichen Thron der Barmherzigkeit. Wie sehr der Ewige Hohepriester und sein menschliches Werkzeug eins sind, offenbaren die Wandlungsworte im heiligen Geschehen: Hoc est Corpus meum - hic est Calix sanguinis mei: Das ist mein Leib - das ist der Kelch meines Blutes, sprechen die Lippen des Dieners des Heiligtums, wohlwissend, daß der Altar nicht seinen Leib und sein Blut birgt, sondern Leib und Blut Jesu Christi, in dessen Person er handelt. Nun ist aber der göttliche Heiland Opferpriester und Opferlamm; also muß auch sein menschliches Werkzeug in der Angleichung an sein göttliches Herz als Opfergabe in Abtötung und Selbstverleugnung jene Gnaden mitverdienen, die es ausspenden soll. Als sacerdos et victima - Priester und Opferlamm - ist der Priester dazu berufen, am Leib Christi, der Kirche, das zu ersetzen, was vom Leiden Christi noch aussteht (Kol. 1,24).

Der Priester als guter Hirt nährt die ihm anvertraute Herde in der göttlichen Lehre, er predigt das Evangelium, verkündet den Glauben, bricht das Brot der Wahrheit, widerlegt den Irrtum und zerstört die Finsternis des Zweifels und Un-glaubens. "Der Glaube kommt vom Hören", sagt der hl. Paulus und läßt dieser Feststellung die Worte vorausgehen: "Wie sollen sie hören, wenn ihnen niemand predigt? Wie kann man aber predigen, wenn man nicht gesandt ist?" (Röm. 10,14-17). Nun besteht aber das ewige Leben darin, daß "sie Dich, den alleinigen Gott, erkennen und den Du gesandt hast, Jesus Christus" (Joh. 17,3). Also besteht ein untrennbarer Zusammenhang zwischen der priesterlichen Verkündigung auf der einen Seite und der Zahl und dem Verdienst der Auserwählten des Himmels auf der anderen Seite.

Der katholische Priester ist Ausspender der Geheimnisse Gottes in den Sakramenten, die uns erscheinen wie sieben bis zum Rande mit dem Opferblut Christi gefüllte Kelche. In der heiligen Taufe gebiert er die Seelen zum übernatürlichen Leben; er bereitet sie auf die Stärkung im Firmsakrament vor und reinigt im Beichtstuhl den verlorenen Sohn von Sünde und Schuld. Er nährt die Hungernden mit dem Brot der Engel, er bereitet die Seelen durch das Viatikum und das heilige Öl auf die lange Reise in die Ewigkeit und die ewige Kommunion des Himmels vor. Er begleitet den Sarg zum Friedhof. Er segnet die Ehen ein, erweist sich als Ratgeber und Freund des Christen auf seiner irdischen Pilgerschaft und als wahrer Vater der christlichen Völker. Gott hat das Heil des ganzen Menschengeschlechtes in die Hand des katholischen Priesters gelegt.

Der katholische Priester müht sich um die Festigung und Ausbreitung des Reiches Gottes auf Erden, er sammelt die christlichen Familien um den Opferaltar und lädt sie ein, die Atmosphäre der stillen Anbetung und Beschauung, der liebenden Hingabe und der Übung aller Tugenden, welche Altar und Tabernakel umgeben und einhüllen, mit in ihr Heim zu nehmen und dieses zu einem kleinen Heiligtum umzugestalten, wo Jesus den ersten Platz einnimmt und das letzte Wort hat. Er unterrichtet den Kindern den Katechismus, zeigt in Exerzitien den Menschen ihre ewige Bestimmung auf, er verteidigt in Vorträgen Wort und Werk der Kirche. Er gründet gemäß seinen Fähigkeiten und den Erfordernissen seiner Zeit in Zusammenarbeit mit den Eltern katholische Schulen, um die Kinder vor intellektueller, sittlicher und religiöser Verderbnis zu bewahren und sie auf ein christliches Leben vorzubereiten. Als Mittler zwischen Gott und den Menschen betet er immer wieder während des Tages und manchmal gar in der Nacht, um den Segen Gottes auf die Welt herabzurufen und die Schwierigkeiten, Nöte und Kreuze der Menschen vor das Angesicht Gottes zu tragen. Mit einem Wort: als Diener der Catholica und Romana ist er "aus den Menschen genommen und für die Menschen in ihren Angelegenheiten bei Gott bestellt"
(Hebr. 5,1).