Der aktuelle Wochenbrief des Seminars

05 Oktober, 2019
Quelle: Seminary Zaitzkofen

                                                                 3/2020

                                                                                                 09. 02. 2020

Liebe Gläubige,

 

bei einem Kultopfer wird der innere Akt der Selbsthingabe des Lebens vollzogen an den von Gott dafür vorgesehenen Zweck.

 

Das Opfer ist unausweichlich

Wenn sich jemand weigern sollte nach dem Ziel, das Gott ihm gegeben hat zu streben, so muss er wissen, dass ihm damit das Opfer seines Lebens, die  Selbsthingabe seines Lebens nicht erspart bleiben kann. Es ist dem Menschen nämlich unmöglich, sein Leben nicht einem bestimmten Zweck zu weihen. Ganz egal auf welchem Erdteil er lebt, welcher Weltanschauung er folgt, oder was er sich auch einbilden mag: Es wird immer etwas in seinem Leben geben, das ihm am wichtigsten ist. Alle anderen Vorhaben und Absichten ordnen sich automatisch diesem Wichtigsten unter und werden sogar aufgegeben, wenn sie der höchsten Absicht nicht dienen. Was soll dieses Wichtigste im Leben anderes sein, als der Zweck, für den der Mensch lebt? Solange der Mensch freiwillig denken und handeln kann, wird es immer etwas geben müssen, das ihm am wichtigsten ist. Wir können deshalb sagen, dass jeder Mensch ein Opfer darbringt, das Opfer seines Lebens, auch wenn es ihm nicht bewusst sein mag.

 

Das Leben eines Tieres

Was dem Menschen am wichtigsten ist, bestimmt sein ganzes Leben, es bestimmt auch seine ganze Moral. Es erhebt ihn, wenn der Zweck seines Lebens etwas Erhabenes ist, es erniedrigt ihn, wenn es etwas Niederes ist. Besonders entwürdigend sind die Zwecke des Lebens, die unter dem Menschen selbst stehen. Wenn der Mensch sein Leben der Befriedigung der niedersten Leidenschaften weiht, die wir mit den Tieren gemeinsam haben, so ist sein höchstes Lebensglück das eines Tieres. Das Sinnen und Trachten eines solchen Menschen geht nur nach Niederem; seine Gedanken bleiben stets im Diesseits. Tiere können gar nicht über das Diesseits hinaus denken, darum ist es noch niemals gehört worden, dass es bei Tieren einen Totenkult gab. Ein Mensch, der gleich den Tieren nur für das Diesseits lebt, weigert sich, an ein Leben nach dem Tod auch nur zu denken. Er möchte, dass von seinen verstorbenen Verwandten möglichst wenig übrig bleibt. Er sucht sein Paradies hier auf Erden, und möchte sein Leben in vollen Zügen genießen. Selbstverleugnung und Opfergeist sind völlige Fremdwörter für ihn. Seiner Weltanschauung zufolge sind sie das Dümmste, das man tun könnte. Der hl. Paulus nennt eine solche Lebensausrichtung Götzendienst: „Denn viele wandeln ...als Feinde des Kreuzes Christi. Ihr Ende ist das Verderben, ihr Gott ist der Bauch, ihr Ruhm liegt in ihrer Schande, ihr Trachten richtet sich auf das Irdische.“ (Phil 3,18f)

 

Das Leben eines Gottes

Andere stellen ihr eigenes Ich an die Stelle Gottes. Sie verehren sich selbst als Gottheit. Sie huldigen nicht immer ihrer Begierlichkeit, dafür sind sie aber von Hochmut wie verblendet. Sie wollen selbst entscheiden was gut und böse ist, und anerkennen kein Gesetz, das über ihnen stehen könnte. Auch über die natürliche Ordnung der Dinge setzen sie sich ohne weiteres hinweg. Gleich Adam und Eva im Paradies wollen sie sein wie Gott. Solche Menschen suchen in allem nur sich selbst. Niemals könnten ihre Ziele über etwas anderes als ihre eigene menschliche Erbärmlichkeit hinaus gehen. Auch bei ihren Kindern suchen sie letztendlich nur ihre eigenen Wünsche zu verwirklichen. Mit dem vorherrschenden Egoismus, wird jede echte Liebe zerstört.

 

Das Leben eines Menschen

Egal was wir als Wichtigstes in unserem Leben betrachten, wenn es nicht Gott selbst ist, so wird es ein Geschöpf sein. Dann weihen wir aber unser ganzes Leben einem Geschöpf, und das wäre Götzendienst. Wie wenig sich das lohnt, hält uns die Vergänglichkeit der Geschöpfe ständig vor Augen. Vor nicht all zu langer Zeit versuchte ein Mechaniker in Ost - China einen Rolls Royce aufzuhalten, der von der Hebebühne rutschte. Der Wagen fiel auf ihn herab. Er gab sein Leben für ein Auto. Eine ähnliche Dummheit begehen alle, die irgend ein Geschöpf an die höchste Stelle ihres Lebens setzen. Das Höchste in unserem Leben muss Gott bleiben, denn er ist der einzige, für den sich unser Leben lohnt. Was er uns für die Hingabe unseres Lebens verspricht ist unsere Vollkommenheit und höchste, ewige Glückseligkeit.

 

Mit priesterlichem Segensgruß

P. Andreas Jeindl