Der aktuelle Wochenbrief des Seminars

05 Oktober, 2019
Quelle: Seminary Zaitzkofen

                                                           1/2020

                                                                                             12. 01. 2020

Liebe Gläubige,

 

der Grund, warum die Wandlung in der heiligen Messe einen solchen Wert und eine solche Bedeutung hat, liegt im Opfer, das sich in diesem Augenblick vollzieht.

 

Das Opfer, in der menschlichen Natur begründet

 

Ein Kultopfer bedeutet Hingabe des Lebens für die Aufgabe, zu welcher der Mensch von Gott geschaffen wurde. Es geht somit um eine Sache, die jeden Menschen ausnahmslos betrifft, die er niemals als Nebensächlichkeit abtun kann, weil es sich um seine hauptsächliche und wichtigste Pflicht handelt.

 

Eine erhabene Aufgabe, kein unrechtmäßiger Zwang

Diese Aufgabe zu erfüllen, bedeutet keinesfalls Sklaverei. Sie wurde uns nämlich schon in die Natur hineingelegt. Wer würde es als Unrecht ansehen, Wasser trinken zu müssen, um zu überleben, oder Nahrung zu sich nehmen zu müssen? Noch weit unmöglicher wäre es, die höchste Aufgabe, die Gott dem Menschen in die Natur gelegt hat, als unrechtmäßigen Zwang anzusehen. Im Gegenteil: Wenn wir schon bei guter Nahrung von unserer Natur mit einer gewissen Freude und einem Genuss belohnt werden, so werden wir noch mehr für die Erfüllung der höchsten Aufgabe erwarten können, nämlich die höchste und größte Freude, die uns möglich ist.

 

Falsche Weltanschauungen vergöttern den Menschen

Die liberale Ideologie der heutigen Zeit verführt uns dazu, jede Fremdbestimmung als Unrecht anzusehen. Dabei kann der Mensch doch nicht anders, als unter göttlicher Bestimmung zu stehen, denn er hat sich nicht selbst geschaffen. Wenn er sich mit seinem freien Willen gegen seine höchste, von Gott gegebene Aufgabe stellt, spricht er nicht nur die Worte Luzifers nach: „Ich will nicht dienen“, er stellt sich auch freiwillig gegen seine eigene Natur und beschert sich den größten Verlust und das größte Unglück, das ihm möglich ist.

Der Liberalismus flüstert uns wieder ein, dass die Kirche hier eine brutale, unmenschliche Strafe predigt, die menschenverachtend und unglaubwürdig sei. Doch in Wahrheit kann es gar nicht anders sein, als dass der Verlust des höchsten Gutes, der höchsten Freude für den Menschen das höchste Unglück, den größten Schmerz bedeuten muss.

Wenn jemand freiwillig kein Wasser trinken wollte und deshalb starb, würden wir den Schöpfer seiner Natur die Schuld dafür geben, und ihn selbst als unschuldiges Opfer ansehen, unmenschlich bestraft? Genauso wenig können wir Gott dafür verantwortlich machen, wenn wir uns freiwillig ins größte Unglück stürzen, indem wir die höchste Aufgabe, die er uns gegeben hat, nicht erfüllen wollen.

 

Die höchste Aufgabe des Menschen

Worin diese Aufgabe  besteht, beantwortet uns schon die erste Frage des Katechismus: Der Mensch ist dazu geschaffen, Gott zu erkennen, ihm zu dienen, ihn zu lieben, und einst in den Himmel zu kommen.

Gott verlangt von uns den Einsatz unserer höchsten Kräfte, unseres Verstandes und unseres freien Willens, um ihn kennen zu lernen, ihn lieben zu lernen und ihm deshalb mit Freuden zu dienen. Die gesamte Schöpfung ist auf diese Aufgabe ausgerichtet. Viele Forscher kommen immer wieder ins Staunen, wie sehr das ganze Universum auf die Möglichkeit und Erhaltung des Lebens auf Erden ausgerichtet und abgestimmt ist. Je weiter sie forschen, umso absurder wird es, bei all diesem „intelligenten Design“ an einen reinen Zufall zu glauben.

Würden wir weiter forschen, so werden wir wahrscheinlich immer mehr feststellen können, wie sehr die ganze Welt sogar auf den Menschen ausgerichtet ist, genau genommen auf diese von Gott gegebene Aufgabe. Es scheint zum Beispiel die Schönheit und Pracht der Blumen keinen Sinn zu haben, außer wenn der Mensch sie sieht, versteht und den Schöpfer dieser Wunder dafür bewundert und verherrlicht. Die ganze sichtbare Schöpfung könnte ihr Ziel nicht gänzlich erreichen ohne den Menschen. Wir können deshalb unsere wichtigste Aufgabe nicht hoch genug einschätzen, nämlich Gott zu verherrlichen, indem wir seinen Willen erfüllen.

 

Das heilige Messopfer ist antiliberal

Die dafür nötige rückhaltlose Selbsthingabe des Menschen vollbringt er innerlich in jedem Kultopfer. Das setzt voraus, dass sich der Mensch nicht für einen kleinen Gott hält, der selbst bestimmen will, worin sein höchstes Glück besteht. Wie Erzbischof Lefebvre in einer seiner Predigten erklärte, ist die überlieferte hl. Messe antiliberal.

 

Mit priesterlichem Segensgruß

P. Andreas Jeindl