Der aktuelle Wochenbrief des Seminars

05. Oktober 2019
Quelle: Seminary Zaitzkofen

                                                                 8/2020

                                                                                                 23. 05. 2020

Liebe Gläubige,

 

in der Patriarchenzeit wurde das Opfer vor allem als Bundesopfer geschätzt, denn die große Sehnsucht der Väter bestand in der Versöhnung mit Gott, dessen Freundschaft und Liebe durch die Sünde im Paradies verloren gegangen war. Der letzte (neue) Bund und die wirksame Versöhnung mit Gott konnte erst durch das Kreuzesopfer unseres Herrn Jesus Christus geschehen. Dennoch ließ sich Gott dazu herab, schon vorher einen ersten Bund zu schließen, den Alten Bund, jedoch nicht ohne Hinweis auf das Kreuzesopfer. Darum war jeder Bundesschluss und jede Bundeserneuerung mit einem Opfer verbunden, als Vorbild und Symbol des Opfers unseres Herrn  auf Kalvaria.

 

Der Turmbau zu Babel

Wie die Bibel uns berichtet brachte Noah nach der Sintflut ein Opfer dar und erneuerte den Bund der Menschheit mit Gott. Seine Söhne blieben aber leider nicht alle treu. Cham folgte dem Beispiel Kains und beging einen Frevel an seinem Vater. Die Nachkommen der anderen Brüder machten bald Gemeinschaft mit den Anhängern des Abfalles von Gott und ließen sich mit ihnen ins Verderben hineinziehen, bis die um sich greifende Gottlosigkeit im Turmbau zu Babel gipfelte.

 

Keine Einheit ohne Bund mit Gott

Hier zeigte sich, dass die Menschen ohne die Erhaltung des Bundes mit Gott nicht dazu imstande sind, ein einheitliches Gemeinwesen zu bilden. Selbst die höchsten materiellen Mittel mussten scheitern, wenn Gott nicht für den Zusammenhalt sorgte. Seitdem konnte nur mit der blutigen Gewalt des Krieges eine gewisse Einheit geschaffen werden, die immer unvollkommen bleiben musste, abgesehen von der wunderbaren Einheit, welche die Kirche in der Kraft des Heiligen Geistes und kraft des Verdienstes des Kreuzesopfers hervorbrachte, was sich am Pfingstfest durch das wunderbare Überwinden aller sprachlichen Barrieren auch äußerlich zeigte, gleichsam als Gegenbild zu dem, was nach dem Turmbau zu Babel geschah.

Damals, nach dem Zerwürfnis der Menschheit, war der Bund mit Gott aber nicht ganz aufgehoben. In der Nachkommenschaft Sems pflanzte sich der wahre Opferkult fort; leider griff auch hier die Gottlosigkeit immer mehr um sich, bis nur mehr ein Mann übrig blieb, auf dem die Hoffnung der Zukunft ruhte: Abraham.

 

Der Bund mit dem auserwählten Volk

Mit ihm beginnt eine dritte Ära des Menschengeschlechtes, denn von jetzt an beschränkt sich die besondere Führung Gottes auf ein auserwähltes Geschlecht. Um die anderen Völker sorgte er sich nur mehr in entfernterer Weise. Auch diese Epoche wird durch ein feierliches Bundesopfer eingeleitet, bei dem Abraham die Opfertiere teilte und eine Feuerflamme als Symbol der Annahme durch Gott zwischen den Opferstücken hindurchfuhr. Die wunderbare Art dieser Geschehnisse zeigt die Bedeutung des Ereignisses. Was aber alle anderen Opfer Abrahams in den Schatten stellt, ist die große Prüfung, bei welcher Gott Unerhörtes von ihm verlangte.

 

Die Prüfung Abrahams

„Nimm Isaak, deinen Sohn, deinen einzigen, den du lieb hast, und zieh in die Gegend von Moria und bring ihn dort zum Brandopfer dar auf einem Berge“ (Gen 22,2) So sehr uns dieser Befehl Gottes verstören könnte, gilt es zu bedenken, dass Abraham trotz allem mit unerschütterlichem Glauben an der Verheißung Gottes festhielt: „Sara, deine Frau, schenkt dir einen Sohn, und du sollst ihm den Namen Isaak geben! Ich werde meinen Bund mit ihm aufrichten zum ewigen Bund und mit seinen Nachkommen nach ihm.“ (Gen 17,19). Abraham musste also glauben, dass Gott durch seine Allmacht dennoch die frühere Verheißung erfüllen wird, selbst wenn er dafür einen Toten zum Leben erwecken müsste.

Doch besonders von diesem Kapitel des Alten Testamentes gilt, dass wir es so lesen müssen, als ob es mit dem Blute Christi geschrieben wäre. Die Forderung an Abraham, seinen einzigen Sohn zum Opfer zu bringen ist ein Vorbild dessen, was der himmlische Vater selbst getan hat: „so sehr hat Gott die Welt geliebt, dass Er seinen eingeborenen Sohn dahingab, damit jeder, der an ihn glaubt, nicht verlorengehe, sondern das ewige Leben habe“ (Joh 3,16). Isaak trug das Holz auf den Berg und willigte selbst in das Opfer ein. Wer muss hier nicht an das Kreuztragen unsers Herrn denken und an die Freiwilligkeit, mit welcher er sich selbst zum Opfer darbrachte. Zum Lohn für Abrahams Glauben und Gehorsam gab Gott ihm seinen Sohn zurück, noch bevor er den Tod gekostet hatte und erneuerte seine Verheißung in einer Weise, wie es vorher nie geschehen war, in einem Schwur. „Alle Völker der Erde sollen durch deine Nachkommenschaft gesegnet werden“ (Gen 22,18)

 

Mit priesterlichem Segensgruß

P. Andreas Jeindl