Der aktuelle Wochenbrief des Seminars

05. Oktober 2019
Quelle: Seminary Zaitzkofen

                                                                 5/2020

                                                                                                 08. 03. 2020

Liebe Gläubige,

 

Adam und Eva wollten sein wie Gott, und brachten durch das Essen der verbotenen Frucht klar zum Ausdruck, dass sie keinen Gott mehr über sich akzeptieren wollten. In diesem Ungehorsam liegt die Verweigerung der Selbsthingabe, die jedes Geschöpf seinem Schöpfer schuldig ist. Sie gaben nicht mehr Gott die höchste Ehre, sondern sich selbst.

Ein für uns unvorstellbarer Verlust

Während wir meistens mehr dazu neigen, dem schönen Leben im Paradies nachzutrauern, das Adam und Eva vor dem Sündenfall dort genießen durften, ohne alt zu werden, krank zu werden, ohne die Mühsal der Arbeit fühlen zu müssen, ohne Katastrophen oder Kriege fürchten zu müssen; so bedauerten Adam und Eva selber etwas anderes sicherlich weit mehr: den Verlust der Freundschaft mit Gott, den Verlust der heiligmachenden Gnade; dass sie nicht mehr Kinder der göttlichen Liebe, sondern Kinder des göttlichen Zornes waren. Es war unseren Stammeltern völlig bewusst, was sie falsch gemacht hatten, und sie bereuten ihre Sünde sehr. Die Vergebung war sicherlich ihre größte Sehnsucht und unbeschreiblich groß ihr Eifer, wiedergutmachen zu wollen, sühnen zu wollen.

Völlige Unterwerfung als Sühne

Adam und Eva wussten, dass sie sich im Ungehorsam über Gott erhoben hatten. Es liegt nun nahe, dass sie als Sühne, um wiedergutzumachen nach dem Gegenteil strebten: der rückhaltlosen, bedingungslosen, völligen Unterwerfung unter Gott in der Anerkennung, dass sie nicht Gott gleich, sondern seine Geschöpfe sind. Darin besteht aber gerade der wesentliche Kern des inneren Opfers: in der Unterwerfung und Selbsthingabe des Menschen an Gott als seinem Schöpfer. Es ergibt sich wie von selbst, dass seit dem Sündenfall jedes Opfer des Menschen auch die Absicht der Sühne mit einschließt. Ohne Sühne ist eine wahre Verehrung Gottes auch nicht mehr möglich. Es handelt sich beim Opfer sogar um die höchste Sühne, zu der wir fähig sind, der gänzlichen Hingabe unseres eigenen Lebens an den Willen unseres Schöpfers.

Das äußere Opfer

Was den Menschen innerlich bewegt, sucht er auch nach außen hin auszudrücken. Was soll aber diese innere Selbsthingabe des Lebens am besten ausdrücken können? Sich selbst das Leben zu nehmen, wäre nicht das Richtige, sondern geradezu das Gegenteil des Opfers. Man würde zum Ausdruck bringen, dass das eigene Leben nicht Gott gehört, sondern einem selbst, indem man es selbst in die Hand nimmt und nach eigenem Gutdünken beendet.

Der Mensch nahm von dem Besten, welches das Leben zu bieten hatte und verzichtete darauf, um es Gott allein zu übergeben, als äußeres Zeichen für die bedingungslose Unterwerfung und die Selbsthingabe des eigenen Lebens. In der Heiligen Schrift lesen wir, dass die ersten Kinder unserer Stammeltern so gehandelt haben. Kain nahm von seinen Feldfrüchten und Abel von seiner Schafherde, um sie Gott zu opfern.

Warum der erste Mord geschah

Heutzutage ist Geld das häufigste Motiv für einen Mord. Der erste Mord der Menschheitsgeschichte  wurde jedoch nicht wegen des Geldes begangen, sondern wegen eines Opfers. Kain konnte es nicht ertragen, dass das Opfer seines Bruders Abel Gott wohlgefällig war, seines jedoch nicht. Wir sehen daran, wie wichtig der Menschheit von Anfang an das Opfer gewesen sein muss.

Das Lamm Gottes

Kain trug selbst die Schuld daran, dass sein Opfer Gott nicht wohlgefällig war. Dennoch wurde sicherlich nicht zufällig das Opfer Abels dasjenige, das Gott gefiel. Abel war nämlich ein Schafhirte, der von den Erstlingen seiner Herde darbrachte. Von Anfang an begegnet uns das blutige Opfer eines Lammes als ein vorbildliches, Gott wohlgefälliges Opfer. Der Finger Gottes richtet sich hier schon auf das Vorbild für das Kreuzesopfer unseres Herrn Jesus Christus und er wird immer deutlicher werden bis zu Johannes dem Täufer, der auf Christus zeigte und prophezeien konnte: „Seht das Lamm Gottes, das hinweg nimmt die Sünden der Welt.“ Auch wenn die Menschheit ihren guten Willen durch Opfer zum Ausdruck brachte, konnte letztendlich nichts davon sie mit Gott wieder versöhnen außer dem einen Kreuzesopfer auf Kalvaria.

 

Mit priesterlichem Segensgruß

P. Andreas Jeindl