Der aktuelle Wochenbrief des Seminars

05. Oktober 2019
Quelle: Seminary Zaitzkofen

                                                                 15/2020

                                                                                                    22. 11. 2020

Liebe Gläubige,

 

die Liturgiereform von 1969 führte einen neuen Messritus ein, der leider bewusst die gleichen Irrtümer begünstigt, welche zu seiner Zeit schon vom Protestantismus vertreten wurden. Martin Luther leugnete den Opfercharakter der heiligen Messe und betrachtete sie nur mehr als Gedächtnis und Kommunionfeier.
Am 15. November 1975 sprach unser verehrter Gründer Erzbischof Lefebvre in einem Vortrag über die überraschenden Ähnlichkeiten des neuen Ritus der Messe mit den rituellen Neuerungen Luthers:

 

Die entstellte Messe: Nicht mehr für Gott, sondern für die Menschen

Luther verlangte in seinen Anordnungen „kein zwingendes Gesetz zu sehen und keine im Gewissen bindende Nötigung. Jeder nehme sie an, wann, wo und wie es ihm beliebt.“
Des Weiteren wies er auf die grundsätzliche Änderung in der Liturgie hin: „Der Kult wandte sich bisher an Gott als eine Huldigung, von nun an wird er sich an den Menschen richten, um ihn zu trösten und aufzuklären. Das Opfer nahm den ersten Platz ein, die Predigt wird es verdrängen.”

 

Die Gleichstellung von Priestern und Laien

Für Luther gab es kein Priestertum mehr, das von Stand der Laien verschieden wäre. „In Wahrheit gehören alle Christen dem geistlichen Stand an. Es gibt unter ihnen keinen Unterschied... Jeder Getaufte kann sich rühmen, geweihter Priester, Bischof und Papst zu sein, wenngleich es auch nicht allen zukommen mag, diese Funktion auszuüben.“
Aus dieser Doktrin zieht Luther die gegen Priesterkleid und Zölibat gerichteten Konsequenzen. Er selber und seine Schüler geben das Beispiel; sie geben den Zölibat auf und heiraten.

Mgr. Lefebvre erklärt uns hier: „Wie viele Dinge im Gefolge der Reformen des Zweiten Vatikanischen Konzils gleichen den Folgerungen Luthers: Das Aufgeben des Ordensgewandes und des Priesterkleides, die zahlreichen vom Heiligen Stuhl genehmigten Heiraten von Priestern, das Fehlen jeden Unterscheidungsmerkmals zwischen Priester und Laien. Diese Gleichmacherei wird sich in der Übertragung liturgischer Funktionen an Laien zeigen, welche bisher nur den Priestern vorbehalten waren... die Auffassung vom Priester als einem rein administrativen Funktionär und die Leugnung des priesterlichen Charakters. Die Priesterweihe ist auf den Dienst an der Gemeinschaft ausgerichtet und nicht mehr auf das Opfer, welches allein den Begriff des katholischen Priestertums rechtfertigt.“

 

Kein Opfer, sondern Abendmahlsbericht

Luther sagte über die katholische Messe: „Der Hauptbestandteil ihres Kultes, die Messe, übersteigt jede Gottlosigkeit und jeden Greuel. Sie machen aus der Messe ein Opfer und ein gutes Werk. Gäbe es keinen anderen Grund, die Mönchskutte abzulegen, aus dem Kloster auszutreten und die Gelübde zu brechen, das allein wäre wahrlich Grund genug dazu... Es ist also ein offenkundiger und gottloser Irrtum, die Messe für Sünden, zur Genugtuung oder für die Verstorbenen aufzuopfern oder darzubringen… Die Messe wird von Gott den Menschen und nicht vom Menschen Gott dargebracht.“
Nachdem die Eucharistie vor allem dazu da sei, den Glauben zu beleben, sollte sie nach Luther in der Volkssprache gefeiert werden. Er beseitigt das Offertorium, das den sühnenden und genugtuenden Zweck des Opfers klar ausdrückt. Er streicht den größten Teil des Kanons und behält zwar dessen wesentliche Texte, aber als Abendmahlsbericht. Um sich noch mehr an das Geschehnis des Letzten Abendmahls anzulehnen, fügt er in der Konsekrationsformel über das Brot die Worte hinzu: „quod pro vobis tradetur – der für euch hingegeben wurde”, aber beseitigt die Worte „mysterium fidei – Geheimnis des Glaubens” und in der Kelchformel die Worte „pro multis – für viele”.

Mgr. Lefebvre bemerkt dazu: „Man kann nur mit Bestürzung feststellen, dass bei der neuen Liturgiereform dieselben Änderungen vorgenommen wurden und die modernen Texte, die den Gläubigen in die Hände gedrückt werden, nicht mehr von einem Opfer sprechen, sondern von der Liturgie des Wortes, vom Abendmahlsbericht und von der Teilung des Brotes oder der Eucharistie.“

 

Mit priesterlichem Segensgruß
P. Andreas Jeindl