Der aktuelle Wochenbrief direkt aus der Seminarkapelle

20. Juni 2022
Quelle: fsspx.news

Liebe Gläubige,

Nichts prägt eine ganze Gesellschaft mehr, als das, was sie für das höchste hält, am meisten verehrt und an den höchsten Platz stellt. In unseren Ländern war das Jahrhunderte lang das Kreuzesopfer unseres Herrn Jesus Christus und seine unblutige Erneuerung im Messopfer. Aus diesem Grund war die Kirche immer der wichtigste Ort des Dorfes. Es wurde dafür das höchste, schönste und reichste Gebäude gebaut, die besten Architekten, Künstler und Maler wurden hinzugezogen. Die Kirche war der Stolz des ganzen Dorfes, oder einer ganzen Stadt. Als es noch keine Hochhäuser gab, ragten die gotischen Kathedralen inmitten einer großen Stadt wie unübersehbare Wegweiser in den Himmel.

Das heilige Messopfer – Quelle der christlichen Kultur

Alle diese Kirchen wurden nur für die Verehrung Gottes gebaut. Nichts Profanes, Weltliches wurde in ihnen zugelassen. Und da der höchste Akt der Gottesverehrung nur durch das heilige Messopfer vollbracht werden kann, war der wichtigste und heiligste Ort in jeder Kirche der Hochaltar. Die großartigsten Gebäude der Welt, die alle anderen in den Schatten stellen, wurden somit für die überlieferte heilige Messe gebaut. Und mehr noch müssen wir sagen, dass das heilige Messopfer die geheimnisvolle Quelle unserer gesamten christlichen Kultur ist.

Selbstloser Opfergeist in der Gesellschaft

Dieser Akt der Gottesverehrung war auch die Kraftquelle für die unvergleichlichen Werke der Barmherzigkeit und Wohltätigkeit, welche die Kirche in unzähligen Spitälern, Schulen, Universitäten, Waisenhäusern und Klöstern hervorgebracht hat. Der Opfergeist, welcher seine Quelle im heiligen Messopfer hat, strahlte auf alle Werte des öffentlichen Lebens in so großem Maß aus, dass wir bis heute davon noch mehr geprägt sind, als wir es ahnen.

Wahrhaftigkeit und Gerechtigkeit

Vieles halten wir für selbstverständlich, was aber eigentlich erst durch beständigen Opfergeist in den letzten Jahrhunderten erkämpft wurde. Werte wie Wahrhaftigkeit und Gerechtigkeitssinn werden in anderen Kulturen, die vom Heidentum geprägt sind, oft nicht geschätzt. Wenn wir dort einen Fremden um den Weg fragen, dürfen wir nicht selbstverständlich erwarten, dass er uns die Wahrheit sagt. Dass jeder Mensch ein Recht hat, nicht belogen zu werden, wird dort nicht anerkannt. Von einem Verkäufer können wir nicht erwarten, dass er uns nicht betrügen will, sondern im Gegenteil, wir werden gering geachtet, wenn wir uns betrügen lassen, und nicht genügend miss-trauisch und vorsichtig sind.

Liebe zur Wahrheit

Viele Errungenschaften unserer heutigen Zeit wären nicht möglich gewesen ohne jene Werte, die letztendlich ihre Quelle im heiligen Messopfer haben. Vor allem die Liebe zur Wahrheit, und dadurch die Förderung der Wissenschaften, sind Grundlage sogar für materiellen Wohlstand und Fortschritt. Im Gegensatz zu anderen Religionen hat die katholische Kirche nämlich Bildung und Wissenschaft nicht unterdrückt, sondern sogar mehr gefördert als jede andere Institution in der Welt. Lange bevor ein Staat sich um Schulen oder Bildung gekümmert hat, retteten Klöster und Domschulen den Großteil des Wissens aus der Antike. Aus Letzteren entwickelten sich Universitäten. Ganze Wissenschaftszweige wie z. B. die Seismologie oder Ägyptologie wurden von Geistlichen begründet. Doch nicht nur auf dem Gebiet der Bildung, sondern auch in allen anderen Bereichen wirkt sich der aus dem heiligen Messopfer entstandene Opfergeist segensreich aus.

Erfüllung der Pflichten

Erzbischof Lefebvre durfte als Missionar in Afrika selbst erleben, welchen Segen das heilige Messopfer für eine gesamte Gesellschaft bewirken kann. Er sagte:

„Ich habe miterlebt, wie diese vollkommenen heidnischen Dörfer christlich wurden und sich nicht nur – ich würde sagen in einer geistlichen und übernatürlichen Weise – verwandelten, sondern auch physisch, gesellschaftlich, wirtschaftlich, politisch, weil diesen einst heidnisch gewesenen Menschen plötzlich bewusst wurde, dass es notwendig ist, seine Pflicht zu erfüllen, trotz der Prüfungen, trotz der Opfer, seine Abmachungen, besonders die Verpflichtungen der Ehe, einzuhalten. Und so wandelte sich das Dorf allmählich unter dem Einfluss der Gnade, des heiligen Messopfers.“

Mit priesterlichem Segensgruß

P. An​dre​as Jei​nd​l