Der aktuelle Wochenbrief (Nr. 2)

21. Januar 2023
Quelle: fsspx.news

Liebe Gläubige,

in Würzburg gibt es eine Kirche, in der ein sehr altes, großes Kreuz zu sehen ist. Wie oft bei frühen Darstellungen trägt der Heiland eine schöne goldene Krone, nur etwas erscheint sehr seltsam. Die Hände des Gekreuzigten sind nicht am Holz befestigt. Der Heiland neigt sich etwas herab, seine Hände und Arme sind etwas nach vorne gestreckt, als wollte er den Betrachter umarmen.

Der plündernde Soldat in Würzburg

Folgende Legende wird zu dieser Kreuzesdarstellung erzählt. Es war im 30-jährigen Krieg, Würzburg hatte viel zu leiden. Eine Kriegsschar nach der anderen zog durch die Stadt und plünderte, was sie nur finden konnte. Eines Tages waren wieder die Schweden in der Stadt. Einer der Soldaten geht allein auf Raub aus. Er poltert in die Kirche und sieht die goldene Krone auf dem Haupt des Gekreuzigten. Er denkt bei sich: „Die will ich haben, ich muss sie haben.“ Was kümmert es ihn, dass er sich in einer Kirche befindet. Er sieht nur die Krone, nicht dass er sie dem Heiland raubt. So zieht der Soldat eine Bank heran, springt hinauf und greift mit gierigen Augen zum Gold. Da hält er plötzlich entsetzt inne, es hat sich etwas bewegt. Der Gekreuzigte, er wird lebendig und sieht ihn mit traurigen Augen an. Er löst die Hände von den Nägeln, beugt sich vor, umarmt den Räuber und zieht ihn an sein Herz. Man fand den Räuber von Reuetränen überströmt am Fuß des Kreuzes. Seitdem steht der Heiland immer noch so am Kreuze, als umarme er den Sünder.

Die Unordnung und Zerstörung durch die Sünde

Die Sünde verweigert Gott die Ehre, die ihm gebührt. Der Mensch raubt gleichsam Gott seine Krone und setzt sie sich selbst auf. Schon Adam und Eva im Paradies wollten sein wie Gott und brachten das größte Unglück über das gesamte Menschengeschlecht.

Immer wenn wir die göttlichen Gebote übertreten und missachten, handeln wir im gleichen Sinne. Entgegen der göttlichen Ordnung der Dinge, wollen wir nach unserem eigenen Willen selbstsüchtig die Weltordnung bestimmen, im Widerspruch zur inneren Stimme unseres Gewissens, und wir bemerken dabei meist nicht im Geringsten, wie viel Zerstörung wir bewirken, die wir aus eigener Kraft nicht einmal wiedergutmachen können.

Das Geheimnis der Erlösung

Das Gegenbild des Baumes der Erkenntnis im Paradies besteht im Holz des Kreuzes auf Golgotha. Nur die unfassbare Liebe Christi, der für uns am Kreuz für die Zerstörung der Sünde gesühnt und vollkommene Genugtuung geleistet hat, konnte uns Erlösung bringen.

Das Kreuz im Messbuch

Schon in den mittelalterlichen Messbüchern beginnt der Kanon der heiligen Messe mit der Initiale T, die zu einer unübersehbaren Kreuzesdarstellung ausgeschmückt wurde. Der Priester sollte am Beginn der heiligen Handlung unbedingt an das erinnert werden, was hier geschieht: Die Erneuerung des Kreuzesopfers.

Te igitur

Die ersten Worte des Kanongebetes lauten: Te igitur clementissime Pater... (Dich also, mildreichster Vater, bitten wir...)

Wann zeigt sich nämlich die Vatergüte und Milde Gottes deutlicher, als beim heiligen Opfer? Hier straft Gott nicht nach seiner Gerechtigkeit, sondern schenkt Erbarmen auf die Fürbitte seines Sohnes, weil dieser sich als Opferlamm für uns darbringt und uns gleichsam umarmt, obwohl wir Sünder sind. Die unermesslichen Verdienste seines heiligen Opfers werden uns hier zugewendet.

„zunächst und vor allem für unsere Mutter, die Kirche“

Das erste große Gebet im Kanon, dem Mittelpunkt der heiligen Messe, bittet vor allem für die Kirche, deshalb, weil die Kirche Christi Priestern und Gläubigen als erstes am Herzen liegen sollte. Die katholische Kirche wird heute immer weniger als bewunderns- und liebenswert erkannt. Dennoch bleibt sie auch in dieser Zeit das Gnadenreich des Heiligen Geistes, die Mutter eines ganzen Heeres tiefgläubiger Seelen, die aus dem Blut Christi Kraft schöpfen bis zum Martertod. Ein Heiligtum, erfüllt vom Weihrauch der Tugenden von Millionen von Seelen. Die Geburtsstätte von Heiligen, die für die Sache Gottes ihr ganzes Leben eingesetzt haben und in deren Namen die Siege des Himmels über die Hölle erkämpft wurden.

Wir dürfen uns nicht dazu verführen lassen, im Niedergang, Zerfall und der teuflischen Zerstörungswut untreuer Kirchenmänner, unsere Wertschätzung und Liebe zur Kirche selbst zu verlieren. Es gibt nämlich nur eine Kirche Christi, und niemand kann das Heil erlangen ohne sie. Sie bleibt unsere Mutter, und jedes Kind muss seine Mutter lieben.

Mit priesterlichem Segensgruß

P. Andreas Jeindl