Gesegnete und frohe Ostern!

2019
Quelle: fsspx.news

Liebe Gläubige,

zeitlich, menschlich, irdisch gesehen ist der Tod Christi am Kreuz die größte Niederlage, das völlige Scheitern des Eroberungszuges. Aus ist es mit der Hoffnung auf ein irdisches Reich, mit dem Vertreiben der Römer aus dem Land, der Wiedererrichtung des Königreiches des Hauses David. Wie gut verstehen wir die Klage der Emmaus-Jünger: „Wir aber hatten gehofft, dass er es sei, der Israel erlösen werde“ (Lk 24,21).

Oder wäre das Leiden Christi doch ein Sieg, ein geistiger Sieg, den Augen der Welt verborgen, nur den Augen des Glaubens und dem Hoffen auf ein übernatürliches Reich der Gnade, der Heiligkeit und des Gottesfriedens offenliegend? So ist es. 

Wie leicht wäre der Weg ins Paradies, zur Anschauung Gottes und zur Teilhabe an seiner Seligkeit vor dem Sündenfall unserer Stammeltern gewesen! Mit welchem Leiden hat uns der Erlöser den Weg dorthin wieder erschlossen und uns zu seiner Nachfolge eingeladen! Vom Paradiesesbaum kam das Unheil; vom Baum des Kreuzes kommt das Heil für das ganze Menschengeschlecht. Schauen wir nochmal auf die Passion Christi; er hat volle Genugtuung in den Augen Gottes für die Sünden der ganzen Welt geleistet. In der Tat hat jede Station in der Passion Christi ihren besonderen Sühnecharakter: Am Ölberg sieht und durchleidet der Herr das ganze Geheimnis der Bosheit. An der Geißelsäule leistet er Genugtuung für die Sünden der Sinnlichkeit und Unkeuschheit, in der Dornenkrönung für die Vergehen der Hoffart und Selbstanbetung. Er trägt sein Kreuz für all jene, die sich gegen das ihrige auflehnen. Er breitet am Kreuz die Arme aus und lässt sich annageln, um den grenzenlosen Egoismus und die Proklamation der modernen Autonomie des Menschen zu sühnen. Würde man unsere von der Sünde verwundete Seele fotografieren, so ergäbe das entwickelte Bild genau den mit Wunden übersäten Schmerzensmann von  Golgotha.

Zwischen Gott und der Sünde ist eine ewige Feindschaft, die den Schöpfer und Herrn des ganzen Universums töten würde, wenn das möglich wäre – und es war möglich, nämlich in seiner menschlichen Natur. Im Buche der Weisheit ist dieser Hass gegen den Frommen schlechthin und all seine Nachfolger vorausgesagt: „Lasst uns Gewalt antun dem armen Gerechten, nicht schonen der Witwe, noch Ehrfurcht haben vorm grauen Haar des Greises! Nein, der Gerechtigkeit Maß sei uns die Kraft; denn das Schwache erweist sich als nutzlos. Lasst uns nachstellen dem Gerechten, weil er uns lästig ist und sich widersetzt unserem Treiben. Er hält uns Gesetzesverletzungen vor und macht uns Verfehlungen gegen die Zucht zum Vorwurf. Er rühmt sich, Gotteserkenntnis zu haben, und nennt sich ein Kind des Herrn. Er ist uns eine Anklage unsrer Gesinnung; sein Anblick schon ist uns zuwider. Denn sein Lebenswandel weicht von dem der anderen ab; absonderlich sind seine Pfade. Als falsche Münze gelten wir ihm. Von unseren Wegen hält er sich fern wie von Unrat. Er preist das Endlos der Gerechten glücklich und nennt Gott prahlerisch seinen Vater. Wir wollen sehen, ob wahr seine Reden sind, und warten, wie’s mit ihm ausgeht. Denn ist der Gerechte wirklich ein Kind Gottes, so nimmt der sich seiner auch an und entreißt ihn der Hand seiner Feinde. Mit Hohn und Misshandlung lasst uns ihn prüfen, damit wir seine Sanftmut erkennen und seinen Starkmut erproben. Wir wollen zu schmachvollem Tod ihn verdammen; ihm wird ja, so sagt er, Rettung zuteil.“ Und dann heißt es weiter: „So denken sie, doch sie täuschen sich; denn ihre Bosheit hat sie verblendet. Gottes Geheimnisse erkennen sie nicht, noch dürfen sie auf den Lohn der Gerechtigkeit hoffen, noch schätzen sie den Ehrenpreis lauterer Seelen. Denn Gott schuf den Menschen zu unvergänglichem Sein und machte ihn zu des eigenen Wesens Abbild. Doch durch des Teufels Neid kam der Tod in die Welt; die jenem gehören, erleiden ihn“ (Weish 2,10-24).

Erschüttert haben wir in diesen Tagen in den Improperien [Heilandsklagen] des Karfreitags gehört: 

»Mein Volk, was habe ich dir getan? Womit nur habe ich dich betrübt? Antworte mir. 

Aus der Knechtschaft Ägyptens habe ich dich herausgeführt. Du aber bereitest das Kreuz deinem Erlöser. 

Vierzig Jahre habe ich dich geleitet durch die Wüste. Ich habe dich mit Manna gespeist und dich hineingeführt in das Land der Verheißung. Du aber bereitest das Kreuz deinem Erlöser. Was hätte ich dir mehr tun sollen und tat es nicht?

Als meinen erlesenen Weinberg pflanzte ich dich, du aber brachtest mir bittere Trauben, du hast mich in meinem Durst mit Essig getränkt und mit der Lanze deinem Erlöser die Seite durchstoßen. 

Deinetwegen habe ich Ägypten geschlagen und seine Erstgeburt, du aber hast mich geschlagen und dem Tod überliefert. 

Ich habe dich aus Ägypten herausgeführt und den Pharao versinken lassen im Roten Meer, du aber hast mich den Hohenpriestern überliefert. 

Ich habe vor dir einen Weg durch das Meer gebahnt, du aber hast mit der Lanze meine Seite geöffnet.

In einer Wolkensäule bin ich dir vorangezogen, du aber hast mich vor den Richterstuhl des Pilatus geführt. 

Ich habe dich in der Wüste mit Manna gespeist, du aber hast mich ins Gesicht geschlagen und mich gegeißelt. 

Ich habe dir Wasser aus dem Felsen zu trinken gegeben und dich gerettet,
du aber hast mich getränkt mit Galle und Essig.

Ich habe dich erhöht und ausgestattet mit großer Kraft, du aber erhöhtest mich am Holz des Kreuzes. 

Deinetwegen habe ich die Könige Kanaans geschlagen, du aber schlugst mir mit einem Rohr auf mein Haupt. 

Ich habe dir ein Königszepter in die Hand gegeben, du aber hast mich gekrönt mit einer Krone von Dornen. 

Was hätte ich dir noch tun sollen, das ich nicht getan habe?

Heiliger Gott!
Heiliger starker Gott!
Heiliger Unsterblicher, erbarm dich unser!«

Doch jetzt ist das Opfer vollbracht. Der Teufel, die Sünde, die Welt mit ihren Ärgernissen sind besiegt und die scheinbare Niederlage des göttlichen Heilandes ist sein größter Triumph. Auch der letzte Feind, der Tod, muss das Feld räumen: Der Herr ersteht aus dem Grab. Er kehrt nicht einfach in dieses irdische Leben zurück, vielmehr ist er in seiner Auferstehung unsterblich, leidensunfähig, verherrlicht, verklärt. Jeder Mensch mit seiner unsterblichen Geistseele ist dazu berufen, an diesem österlichen Sieg teilzuhaben durch die Taufe, in der Urkirche gespendet in der Osternacht, und durch das Sakrament der Beichte, eingesetzt am Auferstehungsabend. Beide Sakramente sind mithin eine geistige Auferstehung. In der heiligen Kommunion trägt der Auferstandene sein österliches Licht und seine Auferstehungsgnade in unsere Seele hinein, um sie vorzubereiten auf jenen Augenblick, da Gott jede Träne von ihren Augen wegwischen wird, da kein Tod, keine Trauer, keine Klage und kein Schmerz mehr sein wird. Denn was einst war, ist vergangen (Off 21,4).

Aber noch ist das christliche Leben ein Kampf auf diese Herrlichkeit. Erst am Ende der Zeiten, am Jüngsten Tag, wird auch unser Leib an der Auferstehungsgnade Christi teilhaben. So jedenfalls sagt es uns der Herr selbst voraus: „Wahrlich, wahrlich, Ich sage euch, es kommt die Stunde, und jetzt ist sie da, in der die Toten die Stimme des Gottessohnes hören werden, und die auf sie hören, werden leben“ (Joh 5,25) [geistige Auferstehung]. „(…) Denn es kommt die Stunde, da alle in den Gräbern seine Stimme hören werden. Dann werden die, die das Gute getan haben zur Auferstehung für das Leben herauskommen, die das Böse verübt haben zur Auferstehung für das Gericht“ (Joh 5,28-29) [leibliche Auferstehung].

In gleicher Weise dürfen wir auf die Erneuerung der Kirche, die Auferstehung der Christenheit aus Laizismus und Säkularismus hoffen – doch der Weg führt über Golgotha und ist eine lange Fastenzeit mit Krankheiten, Mühsalen, Prüfungen und Leiden.

Weihet dem Osterlamme Lobgesänge, ihr Christen.

Denn das Lamm erlöste die Schafe; mit dem Vater versöhnte Christus, der Reine, alle die Sünder.

Tod und Leben da kämpften seltsamen Zweikampf: Der Fürst des Lebens, dem Tode erliegend, herrscht als König und lebt.

„Maria, künde uns laut: Was hast auf dem Weg du geschaut?“

„Sah Christ, des Lebendigen Grab, und wie Glanz den Erstand‘nen umgab.

Sah himmlische Boten, Schweißtuch und Linnen des Toten.

Christus erstand, Er, mein Hoffen; nach Galiläa geht der Herr euch voraus.“

Nun wissen wir: Christ ist erstanden wahrhaft vom Tod. Du Sieger, Du König, sieh unsre Not. Amen. Alleluja.

(Ostersequenz)

Von Herzen wünscht Ihnen, liebe Gläubige, die ganze Mannschaft des Seminars reiche Freude im auferstandenen Herrn und seiner hochheiligen Mutter, 

P. Franz Schmidberger
Regens