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Predigt zum 3. Sonntag nach Ostern

24. April, 2018

Von Diakon Victor Pasichnik

„Noch eine kleine Weile, dann seht ihr mich nicht mehr; und wieder eine kleine Weile, dann werdet ihr mich wiedersehen.“ (Io. 16, 16-22)

Im Namen des Vaters und des Sohnes, und des Heiligen Geistes, amen.

Lieber Pater, liebe Gläubige!

Versetzen wir uns in die Lage der Jünger im heutigen Evangelium. Sie verstehen nicht ganz, was der Herr Jesus Christus meint: Noch eine kleine Weile, dann seht ihr mich nicht mehr; und wieder eine kleine Weile, dann werdet ihr mich wiedersehen. Die Apostel sind verwirrt, weil sie es mit der vorhergehenden Aussage Jesu verbinden: Ich gehe zum Vater. Offensichtlich wird es nicht bloß eine kleine Weile dauern, bis Christus nach seiner Himmelfahrt in Herrlichkeit wiederkommt. Die Jünger wissen das Rätsel nicht aufzulösen, trauen sich aber nicht, den Herrn direkt zu fragen. Jesus merkt diese Verwirrung und klärt gleich das Missverständnis. Er wiederholt seine eigenen Worte und lässt die Worte von der Rückkehr zum Vater absichtlich aus. Dadurch zeigt er, dass es hier nicht um seine Himmelfahrt geht. Situationsmäßig erläutert er seine Worte. Die Weile nach seinem Weggang beschreibt er als Zeit äußerster Trauer für die Jünger und der Siegesfreude für die Welt und verheißt ihnen den Umschlag ihrer Trauer in Freude. Die erste kurze Frist – eine kleine Weile – bedeutet die wenigen Stunden bis zum Beginn der Leiden Christi (die Rede Christi des heutigen Evangeliums geschieht ja am Gründonnerstag im Abendmahlssaal). Die zweite kurze Zeitspanne – wieder eine kleine Weile – ist die Zeitspanne bis zum Wiedersehen. Sie endet mit der Auferstehung des Herrn und den Erscheinungen des Auferstandenen.

Jesus weiß, dass diese Stunden den Jüngern sehr schwer fallen werden: Das bittere Leiden und der Tod am Kreuz ihres Meisters. Sie erhofften, seine Herrlichkeit zu sehen, wie er seine Feinde überwinden wird. Und siehe – er unterwirft sich dem schmählichsten Tode. Das ist die Zeit einer großen Prüfung. Ob sie standhalten werden? In Liebe und Sorge für sie sagt Jesus voraus, dass die Jünger eine tiefe Trauer haben werden, sie werden weinen und klagen. Die böse Welt, die Jesus ans Kreuz geschlagen hat, wird sich freuen und triumphieren. Derjenige, der immer wieder ihre Fehler aufgedeckt und ihr ein schlechtes Gewissen gemacht hat, ist tot und wird sie nicht mehr belästigen.

Jesus belässt die Jünger nicht bei diesem traurigen Anblick. Er hat ihnen schon mehrmals von seiner Auferstehung gesprochen, sie haben es aber nicht fassen können. Nun spricht er wieder davon. „Ihr werdet trauern, aber eure Trauer wird zu Freude werden.“ An dem Bild einer Mutter in Geburtswehen und in ihrem Glück unmittelbar nach der Geburt veranschaulicht Jesus, wie plötzlich der Wechsel vom Leid zur Freude auch bei den Jüngern erfolgen wird, und wie die übergroße Freude sie alle überstandene Traurigkeit und Not vergessen lassen wird. „So habt ihr jetzt zwar Trauer; aber ich werde euch wiedersehen, da wird euer Herz sich freuen, und eure Freude nimmt euch niemand weg.“ Jesus wird auferstehen und sich den Jüngern zeigen. Sie werden in der Trauer nicht allein gelassen. Der Herr wird zu ihnen kommen und im Augenblick ihre Trauer in Freude umwandeln. Und diese Freude wird ihnen niemand nehmen können.

Dieser Evangeliumstext ist nicht etwas Abstraktes, sondern hat einen lebendigen Bezug zu uns, den gläubigen Christen. Wir alle sind ja auch Jünger Christi, und auch in unserem Leben geschehen Ereignisse, wo uns scheint, dass Jesus uns verlassen hat. So funktioniert unsere schwache menschliche Natur. Solange wir den fühlbaren Trost empfinden, sind wir glücklich und sind überzeugt, dass wir alles ertragen und überstehen können. Sobald aber uns dieser Trost genommen wird, können wir jede Sicherheit und jeden Mut verlieren, dass wir Gottes Willen erfüllen können. Zum Beispiel machen wir uns ernste Sorgen um unsere Angehörigen oder befinden uns in einer schweren Prüfung, wir verlieren die innere Ruhe und so auch den fühlbaren Trost. Es scheint uns, dass Jesus uns verlassen hat. Wir leiden stark darunter.

Mögen wir uns in solchen Zeiten immer an die Worte Jesu erinnern: „Noch eine kleine Weile, dann seht ihr mich nicht mehr; und wieder eine kleine Weile, dann werdet ihr mich wiedersehen.“ Die Auferstehung Jesu und seine Erscheinungen vor den Jüngern haben ihnen im geistlichen Kampf neue Kräfte verliehen, sie bestärkt und aufgemuntert. Seine Auferstehung ist eine unerschöpfliche Quelle der Freude, die neuen Mut einflößt.

Hierzu eine Geschichte:

Es war in einer der kommandierten Freidenkerversammlungen zu Beginn des bolschewistischen Regimes. Leidenschaftlich wurde gegen Gott und Christus gewütet, Christi Leben, Tod und Auferstehung lächerlich gemacht und abgeleugnet. Da meldete sich ein ehrwürdiger Greis zum Wort. Er bestieg das Rednerpult und wartete, bis es im Saal ganz still geworden war. Dann sprach er ruhig, aber eisern bestimmt in die lauschenden Massen: „Christus ist auferstanden!“ und ging. Einen Augenblick lang war völlige Stille, dann begannen die nicht wenigen anwesenden Gläubigen mit dem immer erneuten, begeisterten Ruf „Christus ist auferstanden!“, indes die erst so unentwegten Freidenker unsicher und ratlos einander betrachteten.

Bestimmt war das eine schwere Prüfung für die Gläubigen, die sich in diesem Saal befanden. Und doch fand einer den Mut, um gegen das Böse zu kämpfen und die anderen aufzumuntern. Diesen Mut gab ihm der Glaube an die Auferstehung Jesu. Er ist nicht nur für ihn, sondern auch für die anderen die Quelle der Freude und der neuen Kraft geworden. Mögen auch wir uns selbst und unsere Nächsten mit der Tatsache der Auferstehung Christi aufmuntern und im Glauben stärken.

Wir befinden uns in der österlichen Zeit. Lassen wir sie nicht ohne Wirkung vorübergehen. Vertiefen wir uns im täglichen Gebet und in der Betrachtung der Ereignisse der Auferstehung Jesu und der Erscheinungen vor seinen Jüngern. Machen wir sie für uns wieder lebendig, damit wir uns in der Zeit der Mutlosigkeit und Trockenheit wieder aufrichten können und mit Freude und Jubel den Herrn gleichsam wiedersehen. Der auferstandene Herr ist ja immer bei uns: In unseren Kirchen wohnt er im Tabernakel, in unseren Herzen wohnt er durch die heiligmachende Gnade. Wir brauchen nur kurz innezuhalten und in unserem Herzen mit ihm zu sprechen. Und sogar wenn wir es nicht immer fühlen können, wissen wir, er ist da und er liebt uns.

„Noch eine kleine Weile, dann seht ihr mich nicht mehr; und wieder eine kleine Weile, dann werdet ihr mich wiedersehen.“

Im Namen des Vaters und des Sohnes, und des Heiligen Geistes. Amen.