40 Jahre Priesterseminar – Interview mit dem Regens

2018
Quelle: Seminary Zaitzkofen

Fragen an Pater F. Schmidberger, Regens des Priesterseminars Zaitzkofen

1. Das Seminar feiert sein 40jähriges Jubiläum. Welcher Gedanke geht ihnen als erstes zu diesem Anlass durch den Kopf?

Vor allem Gedanken der Dankbarkeit für all die Gnaden in 40 Jahren, Dankbarkeit auch allen Mitarbeitern, Freunden und Wohltätern gegenüber, die uns so großherzig mit ihren Spenden, Opfern und Gebeten unterstützt haben; aber auch Bedauern über den einen oder anderen Fehler und manche Schwäche. Jedenfalls werden viele schöne Erinnerungen in diesen Tagen wach. Wie Gott, der Herr, am Anfang aus dem Nichts das Universum erschuf, so entsteht auf einmal im Jahr 1978 sozusagen über Nacht das Priesterseminar Herz Jesu.

2.  Es gibt wohl keinen Gläubigen der Bruderschaft, der nicht das große Weihezelt vor der Schlossfassade kennt und nicht schon auf dem Rasen des Fußballplatzes gesessen hätte, um an den Priesterweihen teilzunehmen. Warum gerade Zaitzkofen? Wie sind Sie an dieses Objekt gekommen?

Das Seminar als Institut St. Karl Borromäus wurde 1975 im ehemaligen Kurhaus Weissbad, Kanton Appenzell, Schweiz, gegründet. Erzbischof Lefebvre hatte dieses Haus gemietet. Aber für eine endgültige Niederlassung brauchte es viele Renovierungs- und Erweiterungsarbeiten; dazu wollte uns die Besitzerin das Haus nicht verkaufen. Also suchte man beharrlich nach einer anderen Heimat im Drei-Länder-Eck Deutschland / Österreich / Schweiz, im Bodenseeraum, wurde aber nicht fündig. Im Frühjahr 1977 traf in Ecône ein anonymer Brief ein mit Hinweis auf die Liegenschaft in Zaitzkofen; er war unterschrieben „Amicus“ – ein Freund. Der Brief wurde mir als Regens in Weissbad zur Information und Stellungnahme zugesandt. Ich schaute auf die Landkarte: Aber der Ort ist ja völlig exzentrisch für den deutschen Sprachraum, dazu noch nahe der tschechischen Grenze, also dem Eisernen Vorhang. Dies ist keine Lösung für uns. Aber Gott hatte seine eigenen Pläne; der Mensch denkt und Gott lenkt, wie das Sprichwort sagt. Als im September 1977 Herr Heinrich Schlüter, Bauingenieur aus Regensburg, Herrn Pater Gebhard Heyder für die Anfangsexerzitien in Weissbad chauffierte, machte er uns seinerseits auf Schloss und Park in Zaitzkofen aufmerksam. Nach 2 Wochen reiste er aufs Neue an mit einer ganzen Dokumentation von Plänen und Fotos. Langsam fand man Gefallen an dieser Immobilie. So trat der Verein St. Pius V., kurz zuvor von 7 mit uns befreundeten Laien gegründet, am 26. Oktober 1977 als Käufer auf. Zu Pfingsten 1978 fiel schließlich die Entscheidung: Zaitzkofen wird Seminar, Weissbad bleibt noch vorübergehend als Priorat und Vorseminar. Am 17. Juli erfolgte der Umzug. Erst sehr viel später, nach dem Fall des Eisernen Vorhangs 1989, begriff man, wie weise uns die göttliche Vorsehung hierher geführt hat, da jetzt auch junge Leute aus den Ländern Osteuropas an der Pforte anklopften. Heute stammt die Hälfte der Seminaristen aus diesen Ländern.

3. Sie haben das Schloss von den Mariannhiller Patres übernommen. In welchem Zustand haben Sie Zaitzkofen vor fast einem halben Jahrhundert vorgefunden?

Heruntergekommen, verrußt, voller Müll und Gerümpel. Frau Buchner (†2013) und Frau Angerer, zwei tatkräftige Frauen aus Zaitzkofen, von Herrn Schlüter angeheuert, entrümpelten und reinigten das Haus während 6 Wochen. Später halfen sie beim Kapellenbau, bei der Errichtung des Albertinums und versahen 34 Jahre lang die Waschküche. 

4. Was war die Reaktion der Bevölkerung, als es hieß: „Die Lefebvrianer ziehen ein?“ Zur Einweihung war der Erzbischof anwesend und man hat ein provisorisches Holzgestell mit durchsichtiger Plastikfolie vor das Hauptportal gestellt, um das feierliche Amt der Einweihung zu feiern. Erzählen Sie mehr von dieser Pionierstunde der Tradition in Deutschland.

Die Bevölkerung war eher froh über eine neue Bestimmung für das Schloss, das sonst möglicherweise eine sehr schlechte Bestimmung gefunden hätte. Insbesondere hat uns der Bürgermeister, Herr Anton Prückl, herzlich willkommen geheißen. Man sah jetzt einer neuen Zukunft mit jungen Leuten entgegen, es kam wieder Leben ins Schloss. 

Am 30. September 1978 weihte Erzbischof Lefebvre in Neu-Ulm die Kapelle St. Theresia vom Kinde Jesu ein, führte ein Gespräch mit einem Journalisten der Südwest-Presse und fuhr dann nach Zaitzkofen. Am Sonntag, dem 1. Oktober feierte er an einem an der hinteren Schlossfassade aufgestellten Altar das levitierte Hochamt, nahm von den ersten drei in Weissbad ausgebildeten Brüdern die Gelübde entgegen und gab drei anderen das Ordensgewand. Dann ging er mit Weihwasser durch das Haus und rief Gottes Segen auf dieses herab. Bischof Graber, der Ortsordinarius von Regensburg, der 1974 zu Erzbischof Lefebvre gesagt hatte: „Monseigneur, wir müssen zusammen ein Seminar gründen“, war sehr erbost über diese Gründung ohne seine Zustimmung und griff uns öffentlich an. Wir sind allerdings die Antwort nicht schuldig geblieben.

5. Ein Seminar wird geboren. Das kann man sich sehr schwer vorstellen. Wie hat das erste Studienjahr 1978 ausgesehen? Gab es da nur einen einzigen Jahrgang? Woher kamen die Professoren? Wie konnten alle Dienste (Gesang, Zeremonie usw.) erfüllt werden?

Man kann nicht im eigentlichen Sinn sagen, das Seminar sei am 1. Oktober geboren worden; vielmehr war es eine Verlegung von Weissbad nach Zaitzkofen. Aber es war doch ein wirklicher Neubeginn. Ich selbst war Regens, Pater Bisig war mit von der Partie; ebenso unterrichteten die beiden Diakone Markus Keller und Heinrich Niepmann, die dann am Heiligen Abend 1978 in Ecône zu Priestern geweiht wurden. Sehr bald wandten wir uns an Professor Walter Hoeres in Frankfurt, der Philosophieunterricht auf Kassetten aufsprach und von Zeit zu Zeit anreiste, um zu sehen, ob sein so erteilter Unterricht auch Früchte trage. Natürlich gab es in dieser ersten Zeit viel Improvisation und Unvollkommenheit, andererseits brachte diese Gründerphase auch besondere Gnaden mit sich, Freude und Engagement beim Erbauen eines Seminars. Für den Gesang und die Zeremonien waren die zwei aus Weissbad übersiedelnden Jahrgänge schon eingeübt.

6. Das Schloss mit Park und Wirtschaftsgebäuden erglänzt heute in einem perfekten Zustand. Doch als Sie anfingen, gab es nicht einmal die Immaculata-Kapelle. Die erste Zeremonie der Einkleidung und Tonsur musste daher in einer Sporthalle in München gespendet werden. Können Sie für unsere Leser einen Überblick geben, was wann angebaut und erweitert wurde und wie Zaitzkofen zu dem wurde, was es heute ist?

Es ist nicht ganz richtig, dass diese erste Weihezeremonie in München stattfinden musste. Vielmehr wollte man all den Gläubigen in München die Gelegenheit geben, an dieser herrlichen Zeremonie teilzunehmen und das Seminar so aus allernächster Nähe zu erleben. Nun aber zu den Bauten: Als erstes wurde die Immaculata-Kapelle errichtet und am 29. April 1979 von Erzbischof Lefebvre eingeweiht. Dann ging es 1980 an einen Wohntrakt, das Albertinum, Mitte der 80er Jahre an die Schreinerei und ein großes Lager, dann an die Schwesternklausur. Im Augenblick planen wir einen weiteren Wohntrakt, an das Albertinum anschließend. 

7. Jedes Werk durchläuft Höhepunkte und Krisen. Für Zaitzkofen war die Bischofsweihen von 1988, also 10 Jahre nach der Gründung, sicher die schwerste Prüfung: Der Regens selbst hat sich gegen den Erzbischof entschieden und das Seminar verlassen. Können Sie diese Ereignisse schildern und vielleicht auch erklären, warum solche Krisen in Gottes Plan eine Bedeutung haben? 

Auch hier muss ich etwas korrigieren: Pater Bisig wurde als Regens bereits im Jahr 1986 abberufen, weil er schon damals zu erkennen gab, dass er eine mögliche Bischofskonsekration nicht mittragen würde. Es war nun in den verbleibenden zwei Jahren bis zu diesem historischen Ereignis am 30. Juni 1988 schwierig, Versäumnisse und Auslassungen in der Formung der Seminaristen in den konkreten kirchlichen Umständen auszugleichen. So gab es mit den Bischofskonsekrationen einen Einbruch. Aber solche Ereignisse gehören eben zum Leben eines Christen und insbesondere zu einer priesterlichen Existenz dazu, um über die tiefen theologischen und spirituellen Argumente, die zur Bischofskonsekration geführt haben, nachzudenken, sie zu durchbeten und schließlich eine reife Entscheidung zu treffen. 

8. Was waren für Sie die Höhepunkte dieser 40 Jahre?

Ohne Zweifel war die erste Priesterweihe am 27. Juni 1981 ein wichtiges Datum und in der Folge jede Priesterweihe – es gab sie jedes Jahr – wie auch die anderen Weihezeremonien und insbesondere die Einkleidung der Seminaristen jeweils am 2. Februar. Auch dürfen wir die Profess-Zeremonien unserer Brüder nicht vergessen, die uns so wertvolle Dienste erweisen. 

Ein besonderes Ereignis war der 28. August 1988, als der damalige Regens in Penk, eine halbe Stunde von Zaitzkofen entfernt, bei einer Fahnenweihe vor 5000 Menschen die hl. Messe zelebrierte und predigte. Überaus schöne Stunden sind auch die regelmäßigen Priestertreffen.

9. Nicht jeder Leser kann sich vorstellen, was die jungen Alumnen sechs Jahre lang im Seminar machen. Warum eine so lange Ausbildung? Geht das auf Pius X. zurück? Welche Fächer studiert man im Seminar?

Die Seminarausbildung beginnt mit einem Spiritualitätsjahr, einer Art Noviziat: Einführung in das Gebetsleben, in die Heilige Schrift, in die Liturgie und insbesondere auch Studium der Verlautbarungen der Päpste gegen den Liberalismus und die modernen Zeitirrtümer. Darauf folgen zwei Philosophie und drei Jahre Theologie. Diese sechs Jahre sind keineswegs zu lang, um sich die ganze Dogmatik, Moraltheologie, das Kirchenrecht, die Reichtümer der Heiligen Schrift anzueignen und sich auch in der Kirchengeschichte etwas auszukennen. In diese sechs Jahre sind die Einkleidung, Tonsur und die sieben Weihestufen integriert.

10. Was sind die Voraussetzungen, um ins Seminar eintreten zu können? Wie kann ein junger Mann am besten und einfachsten seine Berufung erkennen?

Jeder Kandidat, der ins Seminar eintritt, muss das Abitur in der Tasche haben, über eine physische Gesundheit verfügen sowie seelisch ausgeglichen sein. Er muss Freude haben am geistlichen Leben und beseelt sein vom Wunsch, Gottes Reich auf Erden aufzubauen und Seelen zu retten. 

 

 

11. Nach 40 Jahren ist es natürlich auch interessant zu wissen, wie viele Priester hier geweiht wurden…

Bis zum heutigen Tag wurden in Zaitzkofen 139 Priester geweiht; 48 Brüdernovizen legten ihre Gelübde ab. 

12. Wie hießen die Regenten in diesen 40 Jahren? Welche Priester möchten Sie besonders erwähnen? Bestimmt haben zu Beginn geistliche Herren als Professoren ausgeholfen, als die Bruderschaft selber noch fast keine Priester hatte, die sie mit diesem Amt betrauen konnte?

Hier die Reihe der Leiter des Seminars:P. Schmidberger 1978-79; P. Josef Bisig 1979-86; P. Paul Natterer 1986-91; P. Niklaus Pfluger 1991-98; P. Matthias Gaudron 1998-2003; P. Schmidberger 2003-05; P. Stefan Frey 2005-13; seit 2013 P. Schmidberger. Als langjährige Mitarbeiter am Seminar sind insbesondere zu nennen: P. Mura (1982-2016); P. Schulz, Subregens von 1986-96; P. Laroche (1996 bis heute); P. Kasteleiner (2006-18). Von 1979 – 1986 unterrichtete auch Dr. Kamenincki aus Wien Dogmatik hier am Seminar.

13. Das Seminar ist international aufgestellt, nicht nur dem Namen nach. Seit dem Fall der Mauer 1989 sind viele Seminaristen aus dem Osten hier geweiht worden. Derzeit studieren sogar acht polnische Priesterkandidaten und stellen damit augenblicklich die größte Nation. Was können sie zu dieser Entwicklung sagen?

Der internationale Charakter unseres Hauses – die Bewohner kommen aus 11 Nationen – ist ein kleines Abbild der Universalität der Kirche. Vor allem können sich die Seminaristen untereinander aufgrund ihrer Herkunft aus verschiedenen Ländern mit verschiedenen Traditionen, Gebräuchen und Mentalitäten gegenseitig bereichern. 

14. Was müsste man tun, um mehr Berufungen auch aus Deutschland, Österreich und der Schweiz zu gewinnen?

Man müsste vor allem in unseren Ländern soweit möglich großflächig wieder den katholischen Glauben verkünden, für Berufungen beten und beten lassen und sich der Jugend annehmen, gerade auch der universitären. 

15. Was viele nicht wissen: Zaitzkofen ist nicht nur die Ausbildungsstätte für Priester, sondern auch das Noviziat der Ordensbrüder. Zaitzkofen wäre nicht Zaitzkofen ohne die Brüder. Können Sie den hohen Stellenwert dieser stillen und hingebungsvollen Berufung des Bruders erklären?

Die Brüder spielen in unserem Haus eine große Rolle; lange Zeit haben sie auch in der Schreinerei wunderbare Kirchenmöbel hergestellt. Im Augenblick ist diese Tätigkeit allerdings etwas auf Eis gelegt aus Mangel an Kräften. Sie besorgen die Küche, kümmern sich um die Sakristei und den Park, haben die Hausmeisterei inne, das Ökonomat und auch Sekretariatsarbeit. Sie sind in unserem Seminar und überhaupt in der Bruderschaft gar nicht wegzudenken. Der Erzbischof bemerkte hier und dort aus seiner Erfahrung bei den Vätern vom Heiligen Geist, dass Brüder nicht selten einen höheren Grad der Vollkommenheit erreichen als Priester. 

16. Bei der Einweihung von Zaitzkofen 1978 hat die Diözese eine oberhirtliche Erklärung veröffentlicht, worin jeder Kontakt mit „Alterzbischof Lefebvre“ untersagt wird. Wie haben sich in den 40 Jahren die Beziehungen zum Ortsbischof entwickelt? Ist es besser oder gar schlechter geworden?

Die Beziehungen zur Diözese Regensburg waren seit der Einweihung des Seminars wenig freundlich und fruchtbar. Unter Bischof Gerhard Müller habe ich z.B. zweimal an ihn geschrieben, ohne eine Antwort zu erhalten. Sein Nachfolger hat uns bis heute keine Audienz gewährt, obwohl alle Patres im Seminar täglich im Kanon der hl. Messe für ihn beten.  

17. Die Bruderschaft betreibt weltweit sechs Seminare. Wie sehen die Beziehungen zu den andern Priesterausbildungsstätten aus? Wo sehen Sie Zaitzkofen im Verhältnis zu den anderen Seminaren?

Es gibt eine einheitliche Linie für die Priesterausbildung in unseren Seminaren, festgeschrieben in den Statuten und dem Reglement für diese Ausbildungsstätten. Nach dem Zeugnis des neuen Generaloberen, Pater Pagliarani, zeichnet sich Zaitzkofen in besonderer Weise durch eine familiäre Atmosphäre aus. 

18. Jedes Werk kennt auch große Laienmitarbeiter. Welchen Namen fallen Ihnen da für Zaitzkofen ein?

An erster Stelle natürlich Herr Heinrich Schlüter, der die ganzen Renovierungs- und Bauarbeiten bis 1990 geleitet und auch das Ökonomat unter sich gehabt hat. Nachts zeichnete er seine Pläne, tagsüber stand er auf der Baustelle oder fuhr hierhin oder dorthin im Interesse des Seminars. Als er dann 1991 nach Weihungszell übersiedelte, übernahm Herr Diether Helling das Ökonomat und die Finanzen. Weiter ist zu nennen Frau Hilde Schmitt, die viele Jahre hingebungsvoll an der Pforte ihren Dienst tat. Dazu kommen einige Hilfskräfte in der Küche, bei der Arbeit im Park, beim Putzen der Kapelle und auch in der Nähstube. Bei den Maurerarbeiten ist Herr Dallmayer zu nennen, der jahrelang hier im Schloss mitgearbeitet hat. Ebenso müssen Frau Buchner und Frau Angerer nochmals erwähnt werden.

19. Weiß man in Rom um Zaitzkofen? Ist das Seminar bekannt, oder laufen sämtliche Beziehungen in die ewige Stadt allein über Menzingen, das Generalhaus?

Natürlich ist Zaitzkofen in Rom bekannt, wie Herr Dallmayer eines Tages am Stammtisch Freunden aus einem Nachbardorf erklärte: »Euer Dorf ist nicht einmal drei Dörfer weiter bekannt; unsere Bekanntheit reicht bis nach Rom!«

20. Auf dem Friedhof von Zaitzkofen ruht auch Frau Tangari. Warum? Was hat diese heiligmäßige Frau mit Zaitzkofen verbunden?

Frau Tangari war von 1973 ab eine treue Förderin unseres Werkes. Mit Freude nahm sie jedes Jahr an den Priesterweihen in Ecône und später auch in Zaitzkofen teil. Als gebürtige Wienerin lag darum nichts näher, als sie gemäß ihrem Wunsch hier auf dem Seminarfriedhof in Zaitzkofen beizusetzen, so geschehen am 6. Dezember 1989.

21. Vor kurzem hat die Laber-Zeitung über Pläne berichtet, nach denen ein Neubau anstehen soll. Was hat es damit auf sich? Was bringt die Zukunft?

Die Pläne für einen Erweiterungsbau sind ausgearbeitet und wurden im März dieses Jahres von der Gemeinde genehmigt. Im Augenblick sind wir noch in der Diskussion mit dem Generalhaus über den Baubeginn, denn wir brauchen dringend einen größeren Vortragssaal, eine breiter ausgelegte Bibliothek und auch neue Zimmer, insbesondere für die Priestertreffen des Distrikts und für die Gäste anlässlich der Weihezeremonien.

22. Sie waren stets an der Seite von Erzbischof Lefebvre. Wie hat der Gründer Zaitzkofen gesehen? Was war seine Meinung zum Seminar in Deutschland? War er mit dieser Gründung zufrieden?

Der Erzbischof selber war über Zaitzkofen sehr erfreut und hat dann noch einmal nach den Bischofskonsekrationen des Jahres 1988 hier im Seminar Exerzitien gepredigt. Er hat sich in Zaitzkofen wohlgefühlt. 

23. Zaitzkofen selbst ist ein sehr kleines Dorf. Wie hat sich in den 40 Jahren das Verhältnis zu den Dorfbewohnern gestaltet?

Von Anfang an hatten wir ein gutes, ja sogar sehr gutes Verhältnis zur Bevölkerung, und so ist es bis zum heutigen Tag geblieben. Sicher haben die vielen Artikel von Herrn Siegfried Bäumel in der Laber-Zeitung mächtig dazu beigetragen. 

24. Wie wurde das Jubiläum offiziell gefeiert? Gab es eine Festschrift oder ähnliches?

Der neue Generalobere, P. Pagliarani, ist angereist, um am 14. Oktober die äußere Festlichkeit des hl. Pius X. mit uns zu feiern, das levitierte Hochamt zu zelebrieren und insbesondere über den Weg des Seminaristen zum Altar zu predigen. Es war ein herrlicher Tag voller dankbarer Erinnerungen an all die schönen Stunden und die großen Gnadenerweise Gottes für dieses Haus. Zudem hat die Schola des Seminars eine Jubiläums-CD aufgenommen mit dem Titel „Adsum“ – „Herr hier bin ich“, die sich großer Beliebtheit erfreut. (CD im Auszug hören)

25. Was wünschen Sie dem Seminar für die nächsten 40 Jahre?

Ein Vierfaches: Dass viele gute Berufungen ihren Weg nach Zaitzkofen finden und so das Haus wachsen möge an Verdienst und Zahl vor Gott und den Menschen; dass wir folglich viele gut ausgebildete, fromme und seeleneifrige Priester als Arbeiter in den Weinberg des Herrn entsenden können und dass das Seminar schließlich zu einer geistigen Heimat werde für viele Priesterfreunde, aber auch für die christlichen Familien und für die nach der Wahrheit und der Gnade dürstenden Seelen. Das Seminar soll stets ein Haus der Kirche sein, fern von jedem mondänen, liberalen und modernen Zeitgeist – ebenso fern vom Geist des bitteren Zelotentums und der Sektiererei der Sedevakantisten und der Vertreter des sogenannten Widerstandes. Nicht umsonst haben wir es dem heiligsten Herzen Jesu und dem Unbefleckten Herzen Mariens geweiht und erneuern diese Weihe jedes Jahr am 13. Mai und am 13. Oktober. Wie sagte doch unser Gründer? Weder modernistisch noch schismatisch, sondern katholisch, römisch-katholisch!