Als Diakon in der Dominikanischen Republik

07 Oktober, 2019
Quelle: Seminary Zaitzkofen

Nach sieben Wochen besteige ich kurz vor Seminarbeginn das Flugzeug. Ich verlasse die berühmte Urlaubsinsel. Doch kann von Urlaub nicht die Rede sein. Die sonnigen, angenehmen Urlaubsstrände von Punta Cana habe ich nur auf der Landkarte betrachtet, die im Priorat der Missionsstation hängt. Priesterbruderschaft besitzt ein Priorat 60 Kilometer nördlich von der Hauptstadt Santo Domingo. Hier ist es das ganze Jahr lang heiß und schwül. Die Insel weist abrupte Landschafts- und Klimawechsel auf. So regnet es im Gebiet des Priorats alle 24 Stunden einmal, während ein paar Kilometer entfernt alles trocken bleibt. Dementsprechend sind auch die Bodenschätze und Pflanzen verschieden. Das Priorat ist umgeben von Urwald und Kakaoplantagen, wo die meisten Männer schlechtbezahlte Arbeit finden, 600 Pesos pro Tag, was 10 Euro entspricht.

Die 350 Gläubigen leben in sehr bescheidenen Verhältnissen. Dem alten Zepherino durfte ich, völlig durchgeschwitzt nach drei anderen Kommunionen, in seinem aufgeheitzten Zimmer, dass nur durch ein paar Holzbretter vom Urwald abgegrenzt ist, die Krankenkommunion spenden. Am nächsten Tag wird er mit seinem großen aufgeblähten Bauch ins Krankenhaus nach Santo Domingo gebracht wird. Der Weg dorthin dauerte bis vor drei Jahren vier bis sechs Stunden auf einer ungeterrten Staubstraße. Jetzt schafft man es in knapp zwei Stunden, wenn man zu den wenigen Glücklichen gehört ein Auto zu besitzen. Sonst bleibt nur der öffentliche Transport oder das Moped, welches das Hauptfortbewegungsmittel ist. Allerdings ist es wahnsinnig gefährlich. Jährlich stirbt in der Gemeinde jemand an einem Mopedunfall. Viele Männer weisen bleibende Schäden von Mopedunfällen auf, wie zerschmetterte Knie oder Kopfverletzungen.

Die vier Padres, alle in La Reja ausgebildet, und die vier Schwestern der FSSPX verrichten mit einer Engelsgeduld die Seelsorge. Während es viele Taufen zu verzeichnen gibt, gibt es nur wenige Beichten und Eheschließungen. Die Bevölkerung, beeinflusst von den Sitten aus den USA, besitzt im allgemeinen ein sehr laxes Gewissen und ist sehr wenig gebildet. Und das obwohl das Land die älteste Kirche und Universität von ganz Amerika besitzt. Der Prior sagte mir treffend: „Die Leute müssen entdecken, dass sie einen Willen besitzen.“ Die Familienverhältnisse sind dementsprechend unstabil. Man lebt zusammen und trennt sich schnell. Natürlich leidet die Erziehung der Kinder, oft von verschiedenen Männern gezeugt, schwer darunter. Herzzerreißend ist es, sonntagabends am Heimweg von einer Kapelle, am Straßenrand noch jugendliche Mädchen zu sehen, die sich ein bisschen Geld verdienen möchten.

Für unsere Gläubigen ist es sehr schwer, die schlechten Gewohnheiten der Allgemeinheit nicht nachzuahmen. Der Alkoholkonsum ist bei den Frauen genauso hoch, wie bei den Männern. Tanzbars boomen am Wochenende und auch unter der Woche hört man ständig Tanzmusik aus großen Lautsprechern eines Bistros dröhnen. Ich denke, dass kleine Dorf Ars in der Nähe von Lyon war vor 200 Jahren der hiesigen Lage sehr ähnlich. Tatsächlich konnte ich Predigten des heiligen Pfarrers von Ars fast eins zu eins ins Spanische übertragen, allerdings musste ich sie ordentlich kürzen, da die Gläubigen keine langen Predigten lieben.

Eine Schwester, Mexikanerin, sagte mir hoffnungsvoll: „Nach zehn Jahren gibt es ein bisschen Früchte!“ Einen großen Beitrag dazu leistet die Grundschule mit 200 Kindern und das Gymnasium mit etwa 40 Jungs . Es ist die einzige Schule der FSSPX, die ich kenne, die vom Staat gutgeheißen und gefördert wird. Die Eltern bezahlen teilweise mit Avocados, Zuckkerohrstangen oder bieten Dienstleistungen, wie Autoreparaturen als Entgelt. Zum Thema Unterrichtsniveau und der Disziplin zitiere ich den Prior: „Das ist die Karibik. Was soll ich machen?“ Im Herbst will der noch junge, Argentinier ein Schreinereiprojekt für die Jugendlichen starten. Sodann hat  der Generalrat der FSSPX den Kauf eines Hauses in der Hauptstadt genehmigt. Dort ist die Gläubigenzahl bei aktuell 35 stark steigend. Der aktuelle Raum, ein Wohnzimmer, für die hl. Messe, ist wohl eine der engsten Kapellen der FSSPX und noch dazu in einem verruchten Viertel gelegen.

Es gibt hier viel Arbeit. Aber der Blick auf Europa ist nicht erfreulich und verlangt ebenso viele geistliche Berufungen. Wenn man die Situation näher betrachtet, wird klar, wie dankbar wir auf unser katholisches Erbe in Europa und vor allem in Österreich sein dürfen. Alles, was für uns selbstverständlich erscheint, wie natürliche Familienstrukturen, reichhaltige Ernährung, gediegene Schulausbildung, wissenschaftliche Forschung, Gesundheits- und Sozialwesen, sowie die große Anzahl an kulturellen Höchstleistungen, wie die prachtvollen Kirchen aus vergangenen Jahrhunderten, die wunderbare gregorianische und klassische Musik, die christliche Kunst und Literatur ist das Verdienst ausdauernder und opferbereiter Arbeit von Ordensleuten, Priestern und christlichen Politikern, die mit Hilfe der Gnade Gottes, dies alles aufgebaut haben. Gebe Gott, dass nicht noch mehr von diesem wunderbaren, katholischen Erbe zerstört wird.

 

Abbé Markus Buchmaier

 

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