Der aktuelle Wochenbrief des Seminars

05 Oktober, 2019
Quelle: Seminary Zaitzkofen

                                                           18/2019

                                                                                             24. 11. 2019

Liebe Gläubige,

 

„das heilige Messopfer, der verborgene Schatz“, so lautet der Titel des Buches von P. Johannes Ev. Schmid C.P. Darin vergleicht der Autor die heilige Messe mit einem verborgenen Schatz im Acker. „Mit dem Himmelreich ist es wie mit einem Schatz, der in einem Acker verborgen war. Ein Mann fand ihn, deckte ihn aber wieder zu. Voll Freude ging er hin, verkaufte alles, was er besaß, und kaufte jenen Acker.“ (Mt 13,44)

Der Acker bedeutet die katholische Kirche; der Schatz, den wir dort finden, ist unser Herr Jesus Christus selbst. Durch die heilige Messe befindet er sich dort. Leider handelt es sich für die Meisten um einen verborgenen Schatz, der im Acker der Kirche nur von wenigen wirklich gefunden wird, und noch weniger wissen ihn wirklich sich zu eigen zu machen.

Wenn wir der heiligen Messe beiwohnen ohne eigentlich zu wissen, was dabei geschieht, wird unsere ganze Frömmigkeit bald immer mehr zu einer Gefühlssache, ohne tiefe Kraft und Beständigkeit. Es ist, als würden wir mit großer Mühe einige schlechte Münzen sammeln, während vor uns ein unendlicher Schatz liegt, aus dem wir nur schöpfen brauchen, um Haufen von Gold davon tragen zu können.

 

Nur ein Augenblick

Manch einer möchte glauben, er würde am Sonntag an einer großen Zeremonie teilnehmen, die länger als eine Stunde dauert, und darin bestünde der große Wert des heiligen Messopfers. In Wahrheit geschieht das, was an dieser Zeremonie unermesslich wertvoll ist in wenigen Minuten. Das hl. Messopfer vollzieht sich im Augenblick der heiligen Wandlung. Alles was davor und danach geschieht, umschließt dieses große Geheimnis und sollte für uns eine Vorbereitung sein, eine Hilfe und Entfaltung von dem, was die heilige Wandlung in sich schließt. Die ganze heilige Messe können wir nur im Hinblick auf diesen Augenblick verstehen und begreifen; nichts hätte einen Sinn ohne sie.

 

Kein Sonntag ohne heilige Wandlung

Es erstaunt darum nicht, dass wir unsere Sonntagspflicht immer noch als erfüllt gelten lassen dürfen, wenn wir bei einzelnen Teilen der heiligen Messe, wie z.B. bei der Predigt, die Kirche verlassen und abwesend sind. Keineswegs dürfen wir es uns jedoch erlauben, für die zwei bis drei Minuten der heiligen Messe willkürlich zu fehlen, in welchen gerade die heilige Wandlung stattfindet; die Sonntagspflicht wäre unerfüllt. Selbst zur heiligen Kommunion verpflichtet uns die Kirche nicht. Der Augenblick der heiligen Wandlung ist somit ohne Zweifel der wichtigste, ihn gilt es vor allem zu begreifen, seinen unermesslichen Wert und seine grenzenlose Bedeutung zu ermessen. Erst dann haben wir eine Chance, die heilige Messe so zu schätzen, wie wir sie sollten.

 

Der Brillantring

In Gleichnissen bekommen wir leichter eine Ahnung von unsichtbaren Kostbarkeiten. Auch wenn hier jeder Vergleich wie ein erbärmlicher Schatten neben einer Wirklichkeit sein muss, die man auf Erden wohl nie ganz beschreiben kann und auch wenn dieser Vergleich in vielerlei Hinsicht besonders hinken muss, so können wir vielleicht dennoch dadurch einen Strahl der Wirklichkeit einfangen, den wir sonst nicht bemerken würden.

Die heilige Messe ist wie ein Brillant gefasst in einem goldenen Ring. Der Brillant stellt das Opfer dar, welches im Augenblick der Wandlung erneuert wird. Der Goldring stellt alles dar, was die heilige Wandlung umgibt. Der Brillant ist zwar das höchst Wertvolle, doch der Goldring ist notwendig, damit wir ihn tragen können und nicht verlieren. Darüber hinaus bringt die goldene Fassung der Liturgie der hl. Messe den ganzen Glanz und die Schönheit dieses wertvollen Opfers zum strahlen.

 

Das Licht des Glaubens

Ein geschliffener Diamant ist nicht nur höchst wertvoll, sondern auch sehr schön, weil es sich um den härtesten und dichtesten Stein handelt. Nichts anderes kann das Licht so einzigartig brechen und solche Farben hervorzaubern. In der Dunkelheit jedoch wird der Brillant verkannt. Nichts deutet auf seinen Wert und seine Schönheit. In gleicher Weise können auch wir den Wert des Messopfers nur im Licht des Glaubens erkennen. Niemand kann mit dieser Kostbarkeit etwas anfangen, niemand kann sie gebührlich beachten, wenn er keinen hell leuchtenden Glauben hat. Versuchen wir darum diese Kostbarkeit ans Licht zu bringen, indem wir nicht nur davon lesen, sondern auch um einen tiefen Glauben beten und wir werden die heilige Messe mit anderen Augen sehen und sie weit mehr schätzen.

 

Mit priesterlichem Segensgruß

P. Andreas Jeindl