Der aktuelle Wochenbrief direkt aus der Seminarkapelle

21. Mai 2022
Quelle: fsspx.news

Liebe Gläubige,

es gibt kein Opfer ohne Priester. Gerade am Beginn der Opferung in der heiligen Messe lohnt es sich, das Priestertum des Neuen Bundes ein wenig tiefer kennen und schätzen zu lernen.

Empörung gegen das Priestertum

Schon im Alten Bund machte Gott sehr deutlich, dass sich kein Mensch von sich aus anmaßen darf, Priester zu sein. Gegen Moses empörten sich Korach, Datan und Abiram mit 250 Israeliten, hochangesehenen Männern. „Sie rotteten sich gegen Mose und Aaron zusammen und sagten zu ihnen: "Lasst es nun genug sein! Alle sind heilig, die ganze Gemeinde, und der Herr ist unter ihnen. Warum erhebt ihr euch über die Gemeinde des Herrn?"...Als sie aber selber ihre Räucherpfannen zum Opfer erhoben traf sie deshalb der Zorn Gottes. „Die Erde tat ihren Mund auf und verschlang sie mit ihren Familien, sowie alle Leute, die Korach gehörten, samt der ganzen Habe. Ein Feuer aber ging aus vom Herrn und verzehrte die 250 Männer, die das Räucherwerk dargebracht hatten. Ihre Räucherpfannen wurden breitgehämmert und der Altar damit überzogen zur Erinnerung des Volkes (Num 16, 2-36).

Selbst ein König von Israel, wie Saul, brachte Fluch auf sich selbst und sein ganzes Geschlecht, als er sich anmaßte, Gott ein Opfer ohne die Vermittlung eines Priesters darzubringen (vgl. 1Sa 13,9 f). Dabei waren jene Priester nur Vorbilder, noch nicht wirkliche Stellvertreter unseres Herrn Jesus Christus.

Leugnung durch Martin Luther

Martin Luther empörte sich auf erstaunlich ähnliche Weise gegen das Priestertum. Nach seinen Worten gab es kein Priestertum, das von den Laien verschieden wäre: „In Wahrheit gehören alle Christen dem geistlichen Stand an. Es gibt unter ihnen keinen Unterschied... Jeder Getaufte kann sich rühmen, geweihter Priester, Bischof und Papst zu sein, wenngleich es auch nicht allen zukommen mag, diese Funktion auszuüben.“

Kein Priester – kein Opfer

Martin Luther leugnete auch den Opfercharakter der heiligen Messe und betrachtete sie nur mehr als Gedächtnis und Kommunionfeier. Er zieht, was die Veränderungen an der Messe selbst betrifft, auch die Konsequenzen aus diesen Irrlehren und beseitigt das Offertorium, das den sühnenden und genugtuenden Zweck des Opfers klar ausdrückt. Er streicht den größten Teil des Kanons und behält zwar dessen wesentliche Texte, aber als Abendmahlsbericht. Um sich noch mehr an das Geschehnis des Letzten Abendmahls anzulehnen, fügt er in der Konsekrationsformel über das Brot die Worte hinzu: „quod pro vobis tradetur – der für euch hingegeben wurde”, aber beseitigt die Worte „mysterium fidei – Geheimnis des Glaubens” und in der Kelchformel die Worte „pro multis – für viele”. Mgr. Lefebvre bemerkt dazu: „Man kann nur mit Bestürzung feststellen, dass bei der neuen Liturgiereform dieselben Änderungen vorgenommen wurden.“

Priesterkleid und Zölibat

Luther zieht aus seiner Doktrin die gegen Priesterkleid und Zölibat gerichteten Konsequenzen. Er selber und seine Schüler geben das Beispiel; sie geben den Zölibat auf und heiraten. Mgr. Lefebvre erklärt uns hier: „Wie viele Dinge im Gefolge der Reformen des Zweiten Vatikanischen Konzils gleichen den Folgerungen Luthers: das Aufgeben des Ordensgewandes und des Priesterkleides, die zahlreichen vom Heiligen Stuhl genehmigten Heiraten von Priestern, das Fehlen jeden Unterscheidungsmerkmals zwischen Priester und Laien. Diese Gleichmacherei wird sich in der Übertragung liturgischer Funktionen an Laien zeigen, welche bisher nur den Priestern vorbehalten waren... die Auffassung vom Priester als einem rein administrativen Funktionär und die Leugnung des priesterlichen Charakters. Die Priesterweihe ist auf den Dienst an der Gemeinschaft ausgerichtet und nicht mehr auf das Opfer, welches allein den Begriff des katholischen Priestertums rechtfertigt.“

Nicht ihr habt mich erwählt

Aufgrund seiner besonderen Stellung als Stellvertreter Christi und Mittler zwischen Gott und den Menschen, kann der Priester seine Weihe nur von Gott haben, niemals durch eine demokratisch bestimmte Wahl oder rein menschliche Ernennung. Schon zu seinen Aposteln sagt unser Herr: „Nicht ihr habt mich erwählt, sondern ich habe euch erwählt und euch dazu bestellt, dass ihr hingeht und Frucht bringt“ (Jo 15,16). Halten wir darum an der Notwendigkeit des Priestertums fest, das von unserem Herrn selbst eingesetzt wurde, vor allem, damit sein unendlich kostbares Kreuzesopfer für uns unblutig erneuert werde.

Mit priesterlichem Segensgruß

P. An​dre​as Jei​nd​l