Direkt aus der Seminarkapelle: unser aktueller Wochenbrief

01. Juli 2021
Quelle: Seminar Herz-Jesu

Liebe Gläubige,

aus den Gräbern und Gebeinen der Heiligen lässt Gott nicht selten süßen Duft ausströmen zum Zeichen und Lohn ihrer Heiligkeit. Der Wohlgeruch zeigt an, dass es etwas gibt, das Gott gefällt.

Bei der heiligen Messe handelt es sich um etwas, dass Gott am allermeisten wohlgefällig ist, mehr als alles andere auf dieser Welt.

Der Weihrauch versinnbildet in besonderer Weise diese Eigenschaft der heiligen Messe durch seinen Wohlgeruch und die Leichtigkeit, mit der er sich emporhebt. Schließlich entfaltet der Weihrauch seine Eigenschaften erst durch eine glühende Kohle und auch dieser Umstand hat seine besondere Bedeutung.

Die heilige Messe – ein Gebet

Es gibt viele Katholiken, denen die heilige Messe nicht gefällt, und die deshalb nur widerwillig an ihr teilnehmen, und wenn sie durch die Sonntagspflicht gedrängt anwesend sind, nehmen sie kaum innerlich Anteil und warten ungeduldig auf das Ende.

Hier gibt es von vornherein einen großen Denkfehler: dass nämlich die heilige Messe etwas sein soll, das zuerst und vor allen den Menschen gefallen muss, die daran teilnehmen. In Wahrheit ist die heilige Messe nicht zur Unterhaltung der Menschen, und darum muss sie ihnen auch nicht gefallen. Was vor allem zählt ist die Frage, ob sie Gott gefällt. In diesem Sinne ist die heilige Messe wie ein Gebet. Wir beten nie zu unserer eigenen Unterhaltung, sondern erwarten durch das Gebet etwas von Gott.

Die heilige Messe ist das wertvollste Gebet, das auf Erden gesprochen werden kann, weil sie das höchste Gebet der heiligen Kirche darstellt, gleichzeitig in ihr aber auch unser Herr Jesus Christus selbst betet.

Eigenschaften des Weihrauches

Der Weihrauch symbolisiert drei Eigenschaften des Gebetes:

1. dass es sich um etwas Geistiges handeln muss, etwas, das sich von der Erde und den irdischen Dingen lösen muss, um zu Gott emporzusteigen und ihn erreichen zu können. Das Gebet ist eine Erhebung der Seele zu Gott.

2. dass es nicht nur den Verstand und die Aufmerksamkeit für das Gebet braucht, sondern auch ein Herz, das glüht, eine Seele, die liebt. Die geistige Erhebung der Seele zu Gott wird durch die Weihrauchwolken gezeigt, welche sich zum Himmel erheben. Die glühende Kohle im Rauchfass ist Sinnbild der Hingabe des Herzens, dem geistigen Opfer seiner selbst. In der heiligen Messe bringt sich unser Herr Jesus Christus selbst von neuem zum Opfer dar und wir sollen uns dieser Hingabe seines Lebens anschließen, indem wir uns innig mit ihm vereinigen.

3. Der Wohlgeruch, welcher vom Weihrauch ausgeht. Ein echtes Herzensgebet, welches in der opferfreudigen, glühenden Hingabe seiner selbst wurzelt, ist etwas wunderschönes, der Mensch wird wie geistig geadelt. Dieses Gebet ist lieblich in den Augen des Herrn, wie ein Duft, der sehr erfreut. Das Gebet wird besonders dann zum lieblichen Wohlgeruch, wenn es aus einem reinen Herzen hervorgeht und Ausdruck eines heiligen, opferstarken Lebens ist.

Innige Anteilnahme

Ohne die Erhebung des Geistes gibt es kein Gebet. Wenn es nur um die Worte ginge, die hier gesprochen werden, würde es auch ein Abspielgerät tun. Ohne einen selbstbestimmten Geist, mit Verstand und freiem Willen kann es aber kein wahres Gebet geben. Genauso wenig kann es eine wirkliche Teilnahme an der heiligen Messe geben, wenn wir nicht unser Herz von irdischen Dingen lösen und innerlich Anteil nehmen an der Hingabe unseres Herrn Jesus Christus.

Das Gebet unseres Herrn

Gleich wie das Haupt der edelste Teil des Körpers ist und alle Glieder an Würde übertrifft, so übertrifft auch das Gebet Christi, der unser Haupt ist und in der heiligen Messe für uns betet, das vereinigte Gebet aller Christen, welche Glieder Christi sind. Wenn wir aber unser Gebet mit dem Seinigen vereinigen, so hat es unvorstellbar größeres Gewicht in den Augen Gottes. Darum ist es klug, wenn wir unsere wichtigsten Anliegen und Bitten gerade während der heiligen Messe, besonders während der heiligen Wandlung, darbringen. Der Weihrauch aber kann uns daran erinnern, wie unser Gebet beschaffen sein sollte, um möglichst wirksam zu werden.

Mit priesterlichem Segensgruß

P. Andreas Jeindl