Predigt von Pater Franz Schmidberger in Fulda 2018

2018
Quelle: Seminary Zaitzkofen

Andächtige Gläubige, liebe Pilger, 

das Thema der Wallfahrt in diesem Jahr ist Der katholische Glaube und seine Weitergabe an künftige Generationen. So ist es gewiss angemessen, dass wir als allererstes eine Definition des katholischen Glaubens geben, so wie sie uns vorgelegt wird vom Ersten Vatikanischen Konzil aus dem Jahre 1869-70: 

Was ist Glaube?

„Der Glaube“, so heißt es dort, „welcher der Anfang des menschlichen Heiles ist, ist nach dem Bekenntnis der katholischen Kirche eine übernatürliche Tugend, durch die wir mit Unterstützung und Hilfe der Gnade Gottes glauben, dass das von ihm Geoffenbarte wahr ist, nicht wegen der vom natürlichen Licht der Vernunft durchschauten inneren Wahrheit der Dinge, sondern wegen der Autorität des offenbarenden Gottes selbst, der weder sich täuschen noch täuschen kann.“ 

Heben wir die Hauptpunkte noch einmal hervor: Zunächst einmal heißt es, dass der katholische Glaube eine übernatürliche Tugend sei, d.h. eine Tugend, die weit über die menschlichen Kräfte hinausgeht. Sie bedarf der besonderen Gnade, ja der Glaube ist eine besondere Gnade Gottes, er bedeutet die Annahme der ganzen göttlichen Offenbarung, weil Gott selbst zu uns spricht, er, die ewige Wahrheit, der nicht irren und auch nicht in Irrtum führen kann. Dieser Glaube ist also mit anderen Worten eine Teilhabe an der Erkenntnis Gottes selbst, die Gott von sich, von seinem Geheimnis, vom Geheimnis der allerheiligsten Dreifaltigkeit selber hat. Er ist eine Teilhabe an der Erkenntnis des ewigen Schöpfungs- und Erlösungsplanes Gottes. Er senkt sich auf die Seele nieder wie ein göttliches Licht, das unsere Seele durchdringt, den Verstand, den Willen, und auch das Herz erfasst, so dass wir alles unter dem Gesichtspunkt der Ewigkeit sehen: Sub specie aeternitatis hat Papst Pius XII. gesagt. Und nicht nur sehen, sondern auch beurteilen: Unser eigenes Leben, den Sinn unseres Daseins, die täglichen Ereignisse, insbesondere unser letztes Ziel auf Erden, nämlich die Ewigkeit, die beseligende Anschauung des dreifaltigen Gottes. „Der Glaube ist nämlich“, sagt der hl. Paulus, „die Gewissheit zu erhoffender Dinge, der Beweis des nicht Sichtbaren“ (Hebr 11,1). 

Was beinhaltet Glaube?

Was beinhaltet dieser Glaube? Welches sind die Glaubensartikel? Wir erfahren sie im Credo, das die Kirche jeden Tag betet, und das wir alle bestens kennen. Es gibt einen Gott in drei Personen, die unter sich verschieden sind: Vater, Sohn und Heiliger Geist. Die zweite Person dieser Dreifaltigkeit hat eine menschliche Natur angenommen, eine menschliche Seele, einen menschlichen Leib: Christus ist wahrer Gott und wahrer Mensch, das eine und das andere ohne jede Einschränkung. Er gründete die Kirche, die nach seiner Himmelfahrt und der Geistsendung sein eigenes Erlösungswerk fortsetzen und vollenden sollte in Raum und Zeit. Deshalb spricht er zu seinen Aposteln: „Wie der Vater mich gesandt hat, so sende ich euch“ (Joh 20,21); mit der gleichen Autorität, dem gleichen Auftrag, der gleichen Mission. 

Die Unsterblichkeit der Seele

Christus selber ist seiner menschlichen Natur nach geboren aus einer Jungfrau-Mutter, die er mit Seele und Leib in seine himmlische Herrlichkeit aufgenommen hat nach ihrer irdischen Pilgerschaft. Der Glaube lehrt uns die Unsterblichkeit der Seele, die Auferstehung der Leiber zum Weltengericht am Ende der Zeiten, spricht uns vom Himmel als Lohn für die Gerechten und von der Hölle als Strafe für die Bösewichte. 

Woher diese Erkenntnisse kommen

Woraus schöpfen wir diese Glaubenseinsichten, diese Glaubenserkenntnisse, die Glaubensinhalte? Zunächst einmal aus der Heiligen Schrift, dann aber auch in gleicher Weise aus der mündlichen Offenbarung der Kirche, festgehalten in den Konzilien, in den Lehrschreiben der Päpste, in der täglichen Darlegung durch die Hirten, in der Predigt der über den Erdkreis verstreuten Bischöfe. Es ist wohl nicht unnütz, in diesem Zusammenhang auf die Gefahr von fragwürdigen Privatoffen-barungen und sogenannten Erscheinungen hinzuweisen. Christus warnt uns vor solchen verführerischen falschen Propheten (Mt 24,4-5). Hüten wir uns davor, aus unserer Vernunftreligion eine seichte, banale Gefühlsreligion zu machen. 

Glaube als lebensprägende Kraft

Der Glaube, liebe Gläubige, ist eine lebensprägende Kraft. Der hl. Paulus sagt, der Gerechte lebe aus dem Glauben - justus ex fide vivit (Röm 1,17). Nicht aus Gefühlen, nicht aus Seelenstimmungen, sondern aus dem Glauben heraus gestaltet er sein ganzes Leben, sein ganzes Dasein. Der Glaube durchdringt alle Lebensbereiche: das private Leben, die Familie, Beruf und Arbeit und auch den gesellschaftlichen Bereich. So war es schon bei den Patriarchen und Propheten des Alten Testamentes, die an den verheißenen Erlöser glaubten, ihn erwarteten, ersehnten und erbeteten. Im 11. Kapitel im Hebräerbrief des hl. Paulus durcheilt dieser die ganze Reihe der Patriarchen und Propheten, um uns diese Glaubenskraft darzulegen. „Im Glauben“, heißt es dort, „brachte Abel Gott ein wertvolleres Opfer dar als Kain. (…) Um seines Glaubens willen ward Henoch entrückt. (…) Im Glauben empfing Noe Kunde von dem, was man noch nicht sah. Glaube bewog Abraham, dem Rufe zu gehorchen, und in ein Land zu ziehen, das er zum Erbe erhalten sollte. (…) Im Glauben brachte er Isaak zum Opfer dar. Im Glauben er-hielt Sarah trotz ihres vorgerückten Alters Kraft zur Mutterschaft, weil sie den für treu hielt, der die Verheißung gegeben hatte. Im Glauben starben sie alle, ohne die verheißenen Güter erlangt zu haben. Sie sahen und begrüßten sie nur von ferne und bekannten, dass sie Fremdlinge und Pilger auf Erden seien.“ Immer wieder also im Glauben, im Glauben, durch den Glauben. Und was sagt der hl. Paulus weiter? 

Weiter Zeugen des Glaubens

 „Was soll ich noch weiter sagen? Es fehlt mir die Zeit, auf alle einzugehen; auf Gedeon, Barak, Samson, Jephte, David, Samuel und die Propheten. Durch ihren Glauben bezwangen sie Königreiche, schafften Recht, empfingen Verheißungen, schlossen Löwenrachen, löschten Feuersglut, entrannen der Schärfe des Schwertes, kamen aus Schwachheit zu Kraft, wurden Helden im Kampfe und schlugen fremde Heere in die Flucht. Frauen erhielten durch Wiedererweckung ihre Toten zurück. Andere wurden auf die Folter gespannt und verzichteten lieber auf Befreiung, um zu einer desto herrlicheren Auferstehung zu gelangen. Wieder andere erduldeten Spott und Schläge, ja Ketten und Kerker. Sie wurden gesteinigt, gefoltert, zersägt, durchs Schwert getötet.“ Soweit die Worte des hl. Paulus aus dem Hebräerbrief. 

Glaube, der Berge versetzt

Noch deutlicher wird uns die Kraft des Glaubens dargelegt im Neuen Testament durch den Mund des Herrn selbst. Er sagt zu seinen Aposteln, dass, wenn sie nur einen Glauben hätten, klein wie ein Senfkorn, dann würden sie zu diesem Berge sagen: Versetze dich, und er würde sich augenblicklich ins Meer stürzen (vgl. Mt 17,19; Lk 17,6). Und da er Blinden das Augenlicht gibt, Aussätzige reinigt, Stummen die Sprache wiederschenkt oder Lahmen das Gehvermögen, da spricht er jedesmal: Dein Glaube hat dir geholfen, dein Glaube hat dich gerettet, dein Glaube hat dich gesund gemacht. Das ist die Kraft und Macht des Glaubens. 

Dieser Glaube, liebe Gläubige, bringt eine ganze christliche Kultur hervor, ein christliches Land mit Kathedralen, Domen, Kirchen, Kapellen, Wegkreuzen, Klöstern, Priesterseminaren, christlichen Familien, geschart um den Opferalter ihrer Kirchen, und katholische Schulen; eine Gesetzgebung, die den Weg zum Himmel leicht macht und die das Laster mit Strafe belegt. Und andererseits ist eine solche christliche Kultur Zeugnis und Trägerin des katholischen Glaubens. 

Glaube ist heilsnotwendig

Dieser Glaube ist heilsnotwendig. Er muss angenommen werden in seiner ganzen Fülle, in seinem ganzen Umfang. Wer nämlich auch nur eine von Gott geoffenbarte Wahrheit ernsthaft bezweifelt oder in Abrede stellt, hat den Glauben als göttliche Tugend aufgegeben, weil er Gott in diesem Punkt als Irrenden oder Lügner behauptet. Der Glaube in seinem ganzen Umfang ist somit heilsnotwendig. Deshalb sagt der Herr am Ende des Markusevangeliums: „Wer glaubt und sich taufen lässt, der wird gerettet werden. Wer nicht glaubt, wird verdammt wer-den.“ Ein schreckliches Wort! Aber es kommt aus dem göttlichen Mund, aus dem Munde des fleischgewordenen Gottes selbst. Der hl. Paulus macht sich zum Echo dieser Wahrheit und sagt: „Ohne Glaube ist es unmöglich, Gott zu gefallen“, so im Hebräerbrief (11,6). 

Glaube als Fundament

Der Glaube ist wie das Fundament unseres geistlichen Gebäudes in unserer Seele, die Hoffnung wie die Mauern, und die Liebe wie das krönende, abschließende Dach. Aber ohne Fundament kann man keine Mauern errichten, und schon gar nicht ein Dach darauf setzen. D.h. ohne Glauben gibt es weder Hoffnung noch wahre Gottes- und Nächstenliebe. 

Wie haben wir diesen Glauben empfangen? Sie, die Pilger, die heute nach Fulda gereist sind, wir haben ihn empfangen, die meisten von uns jedenfalls bei der hl. Taufe, wo der Zelebrant uns gefragt hat: „Was begehrst du von der Kirche?“ Und wir haben durch den Mund unserer Paten geantwortet: „Den Glauben.“„Und was gewährt dir der Glaube?“„Das ewige Leben.“ Das ist die kostbarste Frucht des katholischen Glaubens: der Himmel und seine Seligkeit. 

Glaube kommt vom Hören – Missionstätigkeit

Für diejenigen, die nicht dieses Glück gehabt haben, schon bei der Taufe diesen übernatürlichen Organismus eingepflanzt bekommen zu haben, die also nicht Katholiken waren, bzw. gar nicht getauft wurden als kleine Kinder, für diese ist in besonderer Weise die Glaubensverkündigung notwendig. Denn so sagt wiederum der hl. Paulus im Römerbrief: „Der Glaube kommt vom Hören. Wie aber sollen sie hören, wenn ihnen niemand predigt? Und wie soll ihnen gepredigt werden, wenn niemand gesandt ist?“ (10,15). Es bedarf also der Missionstätigkeit der Kirche! Zu allen Jahrhunderten sind die Missionare in andere Länder geeilt, haben die Meere durchquert, um dort den Glauben zu verkünden und so die Seelen zu retten. Denken wir an den hl. Bonifatius hier in Fulda, wir stehen sozusagen an seinem Grab. Wieso hat er die Britischen Inseln verlassen und ist zu den germanischen Stämmen gekommen? Wieso ist er zu den Friesen aufgebrochen? Um diesen den Himmel zu erschließen durch die Predigt des Evangeliums, um ihnen den katholischen Glauben zu verkünden. Das war der einzige Grund. Und aufgrund dieser seiner Tätigkeit hat er am Ende seines Lebens dann am 5. Juni 754 in Dokkum das Martyrium erlitten, d.h. für den Glauben sein Blut vergossen. Deshalb hat die Kirche auch immer den Katechismus neben der Heiligen Schrift als das wichtigste Buch überhaupt hochgeschätzt, weil wir hier im Glauben unterrichtet werden. Wie sollen wir denn unseren Glauben kennen, wenn wir nicht diese Dinge nachlesen können? So bedarf es der religiösen Erziehung, der Glaubensweiter-gabe in der Familie. Dazu ein Beispiel, wie wenig diese Pflicht heute wahrgenommen wird: In der Provinz Limburg im Süden Hollands fragte ein Pfarrer vor wenigen Jahren die 24 Kinder im Religionsunterricht im Alter von 8/9 Jahren, wer das Kreuzzeichen machen könne. Nur ein einziges Kind war damit vertraut! Daran sieht man: Die Glaubensweitergabe und auch das Gebet in der Familie sind weitgehend zusammengebrochen. 

Gefahren für den Glauben

Wenn wir nun die heutigen Verhältnisse uns näher ansehen, liebe Gläubige, dann stellen wir fest, dass große Gefahren über den Glauben hereingebrochen sind und überall lauern. Irrlehren haben sich ausgebreitet auf allen Gebieten, insbesondere an den ehemals katholischen Hochschulen. Die Leugnung und Infragestellung der zentralsten Glaubenswahrheiten ist heute an der Tagesordnung, das Geheimnis der allerheiligsten Dreifaltigkeit, die Gottheit Jesu Christi, seine leibliche Auferstehung, die Kirche als göttliche Stiftung, das ewige Leben. Diese Häresien, diese Irrlehren reichen bis zur Apostasie, d.h. bis zur völligen Aufgabe des ganzen katholischen Glaubens. Die heutige Zölibatskrise im Klerus ist in erster Linie eine Glaubenskrise. Wer von einer Sache nicht überzeugt ist, der ist auch nicht bereit, Opfer für sie zu bringen und auf eine Familie zu verzichten. 

Die Diktatur des Relativismus

Daneben tritt als große Gefahr für den Glauben das auf, was Papst Benedikt XVI. die Diktatur des Relativismus genannt hat. Seine Vertreter behaupten, kein Bekenntnis besitzt die volle Wahrheit, alle hätten nur Teilwahrheiten, wir seien alle auf dem Weg, auf der Suche nach der Wahrheit. Alle Religionen führten zum Heil, seien Beiträge zum Fortschritt der Menschheit und zum Weltfrieden. Was für ein Irrtum! Wie sehr widerspricht das der göttlichen Offenbarung! Überall, praktisch überall verkündet man heute einen verkürzten, verwässerten, verkrüppelten und verfälschten Glauben. Die Mission wird so zum Sozialdienst. Die Beichte zu einem verlorenen Sakrament. Das Sündenbewusstsein ist dem Volke abhandengekommen und damit auch die Einsicht in die absolute Erlösungsbedürftigkeit eines jeden Menschen, einer jeden Seele auf dieser Erde. Christus wird von seinem Throne gestoßen, dafür werden die Menschenrechte der Französischen Revolution ausgerufen. Die Stadt Gottes wird ersetzt durch die Stadt des Menschen.

Säkularismus

Ein antichristlicher Säkularismus breitet sich überall im ehemals christlichen Abendland aus. Wir leben in einer postchristlichen Ära. Nach dem Sündenfall unserer Stammeltern bricht indes mit der Zerstörung der übernatürlichen Ordnung auch die natürliche Ordnung zusammen, d.h. die Befolgung des Naturgesetzes. So sehen wir die Ausbreitung der Drogenszene, die Homolobbys und -seilschaften, die Gender-Ideologie, die Zerstörung und Zersplitterung von Ehe und Familie, ja, die Aufgabe des Konzeptes von Familie überhaupt, die Verführung der Kinder und Jugendlichen durch Pornographie und die elektronischen Medien, die Abtreibung und heute die Diskussion um die Leihmutterschaft. Was ist doch aus dem Land des hl. Bonifatius geworden! Wie sehr würde er bittere Tränen vergießen, wenn er sehen würde, wenn er unter uns wäre und sehen würde, was aus jenem Land geworden ist, dem er den katholischen Glauben verkündet hat. Inmitten dieser gott- und glaubensfeindlichen Welt stellen wir immer wieder auch eine latente und zum Teil offene Christenverfolgung fest. Nach Auskunft des Vatikans sterben täglich – täglich! – an die 270 Menschen auf Erden in unseren Tagen wegen des christlichen Glaubens. Die Ausbreitung des Islams ist eine gewaltige Herausforderung an unser Glaubenszeugnis. Denken wir an die 21 koptischen Christen, die vor drei Jahren in Libyen von der IS an das Ufer des Meeres geführt wurden, um dort die Gurgel durchgeschnitten zu bekommen oder enthauptet zu werden. Herr Mosebach, der die Familien dieser 21 jungen Männer in Ägypten aufgesucht hat, berichtet, dass da kein Hass war, keine Rachegefühle, sondern eher Freude und ein gewisser christlicher Stolz, dass sie in ihrer Familie einen Martyrer haben.

Gewaltige Herausforderung für die Kirche

Ein gleiches muss gesagt werden zu den Missbrauchsskandalen, die die Kirche in unseren Tagen schrecklich erschüttern. Es ist auch dies eine gewaltige Herausforderung unseres Glaubens an die Kirche. Indes dürfen wir nicht irre werden: Nicht der Kirche sind diese Ärgernisse anzulasten, sondern den Menschen der Kirche, den Männern, welche eine besondere Stellung und damit auch Verantwortung in der Kirche innehaben. Die Kirche selbst ist und bleibt die unbefleckte Braut des geschlachteten Lammes. Vergessen wir nicht, dass der Herr selber unter seinen 12 Aposteln einen Judas gehabt hat und dass ihn Petrus, der erste Papst, dreimal in der Leidensnacht verleugnet hat. Christus selbst spricht von Ärgernissen, die kommen werden; aber wehe jenem Menschen, durch den sie kommen! 

Herr, was sollen wir tun?

Was also, liebe Gläubige, liebe Pilger, ist zu tun? Ich glaube, ein gewichtiges Wort Ihnen heute Abend sagen zu müssen, sagen zu dürfen: Wir müssen einen Kreuzzug für den katholischen Glauben beginnen! So wie Erzbischof Lefebvre am 23. September 1979 in Paris aufgerufen hat zu einem Kreuzzug für die wahre hl. Messe, so rufe ich Sie heute Abend auf zu einem Kreuzzug für den katholischen Glauben. Es bedarf der Gründung eines großen Glaubenswerkes, der Ver-kündigung des Glaubens durch Wort, Schrift und Beispiel. Holen wir unseren alten Katechismus wiederum aus der Schatztruhe hervor. Der Fernkatechismus der Schwestern aus Göffingen ist ein unschätzbarer Wert für Ihre Kinder! Schreiben Sie diese dort ein. In jüngerer Zeit gibt es einige wertvolle Broschüren, kleine Schriften, die gerade auf die Zeitübel Antwort geben: Was ist Wahrheit? – Existiert Gott? – Ist Jesus Christus der Sohn Gottes? – Gibt es eine wahre Religion? – Die Kirche. Diese Broschüren gehören nicht nur in jedes Haus, in jeden Haushalt, diese Broschüren gehören in jeden Friseursalon, in jedes Wartezimmer beim Arzt oder Zahnarzt, in jedem kleinen Laden auf den Ladentisch. Überall müssen sie ausgebreitet, weitergereicht werden. Der Glaube kommt vom Hören! Und wie sollen sie hören oder lesen, wenn ihnen dies nicht dargeboten wird? Und wer soll dies ihnen darbieten und predigen? Sie, liebe Gläubige! Sie sind die auserwählten Instrumente, Werkzeuge der göttlichen Vorsehung für dieses Glaubenswerk. Es bedarf der Neubelebung, Ausbreitung, Verteidigung, Fortsetzung und Stärkung des katholischen Glaubens. Wir müssen in besonderer Weise auch an Volksmissionen denken, selbst wenn diese im Augenblick nicht verwirklicht werden können aufgrund der besonderen Umstände. An Exerzitien. Machen Sie unbedingt Exerzitien, insbesondere, wenn Sie sie noch nie oder schon länger nicht mehr gemacht haben! Und denken wir an die Schulen: Was für ein Segen, dass die Dominikanerinnen heute Abend auch unter uns sind und dass sie inzwischen zwei Schulen in Deutschland haben, eine in Rheinhausen, eine andere in Bröleck. Es geht darum, liebe Gläubige, die ganze zeitliche Ordnung mit der christlichen Idee, mit dem christlichen Glauben, mit dem Lichte des Glaubens zu durchdringen. Schreiben Sie darum Leserbriefe, legen Sie Zeugnis ab an Ihrem Arbeitsplatz. Hand aufs Herz: Wollen wir, dass Deutschland wieder christlich, katholisch wird, oder wollen wir das nicht? Natürlich wollen wir das! Und wenn wir das wollen, dann müssen wir die Mittel, die zu diesem Ziele führen, ergreifen, sonst wird daraus nichts. Mit anderen Worten: Eine gewisse Versorgungsmentalität ist in der heutigen Zeit zu wenig: Ich möchte meine Sonntagsmesse, eine kleine Predigt, nicht zu lang, von Zeit zu Zeit auch zur Beichte gehen, das genügt mir. Alles andere - nach mir die Sintflut... Diese Lauheit, diese Mittelmäßigkeit ist heute nicht angesagt! Es gibt neben der Tatsünde auch die Unterlassungssünde im Nichtweitergeben des Glaubens, und diese ist vielleicht schwerer als die Tatsünde. Es bedarf des Heroismus, der Heldenhaftigkeit, des Zeugnisablegens und des Verbreitens des Glaubens. Es bedarf glühender Seelen, wahrer Apostel auch unter den Laien. 

Die Priesterbruderschaft St. Pius X.

Ich sehe in der Priesterbruderschaft St. Pius X. ein wesentliches Werk in der heutigen Zeit zu dieser Neuevangelisierung, zu dieser neuen Verchristlichung der ganzen Gesellschaft. Der Priesterbruderschaft mit ihren Seminaren, ihren Schulen, Prioraten, Exerzitienhäusern, Missionen, niedergelassen in 33 Ländern auf der Welt, und weitere 40 Länder mehr oder weniger regelmäßig besuchend, auf allen Kontinenten verbreitet. Scharen Sie sich um dieses gottgewollte Werk, unterstützen Sie es nach Kräften mit Ihren Gebeten und Opfern. Bedenken wir, liebe Gläubige, den Wert einer einzigen Seele! Diese ist mehr wert als das ganze Universum, als die ganze Sternenwelt, als die herrlichen Pflanzen, Tiere, Seen, Länder, Kontinente, alles, was es an Schönheit gibt. Eine einzige Seele, eine einzige Geist-Seele, die Seele eines einzigen Kindes ist tausendmal mehr wert als dies alles zusammengenommen. 

Für die Ausbreitung des Glaubens

Darum wollen wir in besonderer Weise die Worte uns durch den Kopf gehen lassen und beherzigen, mit denen die Kirche in dem wunderbaren Gebet zur Ausbreitung des Glaubens zu Gott fleht. Dort heißt es folgendermaßen: 

„O Gott, du willst, dass alle Menschen gerettet werden und zur Er-kenntnis der Wahrheit kommen. So sende, wir bitten dich, Arbeiter in deine Ernte. Lass sie voll Zuversicht dein Wort verkünden, auf dass deine Botschaft dahineile und in Herrlichkeit sei und alle Völker dich, den einen wahren Gott erkennen, wie auch deinen von dir gesandten Sohn, Jesus Christus, unseren Herrn.“ 

Weihe an die Gottesmutter wie vor 64 Jahren

Und da hier in Fulda vor 64 Jahren die deutschen Bischöfe in einer großartigen Initiative unser geliebtes deutsches Vaterland der Muttergottes geweiht haben, so können wir nicht umhin, in irgendeiner Weise diese Weihe wenigstens in unserem Herzen zu erneuern, wobei wir uns keine Autorität anmaßen, die uns nicht zukommt. Aber gewiss wird es der Muttergottes sehr angenehm sein, wenn wir ihr aufs Neue dieses Deutschland, dieses Missionsland des hl. Bonifatius anvertrauen. Deshalb dürfen wir folgende Worte an sie, die Vermittlerin aller Gnaden, richten: 

Das Weihegebet

„Im Angesichte des ganzen himmlischen Hofes und der heiligen römischen Kirche auf Erden weihen, übergeben und schenken wir heute deinem Unbefleckten, schmerzhaften und gnadenvollen Herzen unser deutsches Vaterland mit all seinen Bewohnern und Einrichtungen. Nimm du sein Geschick in deine mütterlichen Hände, sei du wahre Königin der Regierenden und Regierten. Bekehre die Abständigen, erleuchte die Irrenden, führe die Ungläubigen gütig zum einen Schafstall deines göttlichen Sohnes. Präge allen Geistern und Herzen Christi mildes Gesetz ein, damit das Königtum deines Sohnes in der ganzen Gesellschaft erstrahle und der Friede Christi im Reiche Christi anbreche. Wir wollen, dass Er uneingeschränkt über uns herr-sche!

Nimm darum Land und Volk unter deinen mächtigen Schutz. Sei und bleibe eine Schutzwehr unseres heiligen katholischen Glaubens und unserer Treue zum Stuhl Petri. Schenke uns heiligmäßige Priester, einen tüchtigen Ordensnachwuchs und viele kinderreiche christliche Familien. Sammle das ganze Volk um die Opferaltäre deines göttlichen Sohnes. Erflehe für unsere Kinder wahrhaft katholische Schulen. Sei die Verteidigerin der Unschuld, die Zuflucht der Sünder, das Heil der Kranken. Dir empfehlen wir unser ganzes Leben, unser Arbeiten und Leiden, insbesondere aber die Stunde unseres Todes.

O Mutter der Barmherzigkeit, nimm diese unsere Weihe gnädig an; lass uns derselben würdig leben und zeige uns, wenn unser Auge bricht, Jesus, die gebenedeite Frucht deines Leibes. Amen.“

Im Namen des Vaters und des Sohnes und des Heiligen Geistes. Amen.