Weinachtsgruß von Pater Regens

2018
Quelle: Seminary Zaitzkofen

Liebe Gläubige,

inmitten der düsteren Lage in der Kirche und dem Leben der Völker wünsche ich Ihnen im Namen unseres Seminars eine gnadenreiche Weihnacht voll Freude und innerem Frieden sowie den Schutz und die Fürsprache der Mutter des göttlichen Kindes für das Neue Jahr 2019. Voller Dankbarkeit legen wir Sie und all Ihre Anliegen in der Heiligen Nacht in die Krippe und bitten den Weltenheiland um seinen reichen Segen für Sie.

In der Anlage finden Sie einen Auszug aus der herrlichen Predigt des hl. Ephräm des Syrers († 373) über das gottmenschliche Wesen des Erlösers. Sie tun gut daran, diesen zu lesen und zu verinnerlichen. Lassen Sie mich dazu einige Anmerkungen machen:

1. Wäre das Kind in der Krippe nicht der wahre Gott, dann wäre sein ganzes Erlösungswerk nur ein menschliches, irdisches Tun ohne erlösende Kraft. Dann wäre selbst sein Kreuz nicht imstande, die Gottheit zu versöhnen, die Sünde zu tilgen und Gott die ihm entsprechende Genugtuung zu leisten. Diesem Kinde gebührt also Anbetung und göttliche Verehrung.

Hätte andererseits der Sohn Gottes keine wahre Menschennatur angenommen, dann hätte er der Gottheit kein Opfer darbringen und ein Sühneleiden auf sich nehmen können. Dann wären wir genauso wenig erlöst. Nur als wahrer Gott und wahrer Mensch, mit einer von der zweiten göttlichen Person geleiteten menschlichen Natur ist er wahrer Erlöser und Heiland der Welt. In ihm sind zwei Naturen, aber nur eine Person.

2. Als Gottmensch ist er der wahre Prophet, der in diese Welt gekommen ist. Vom Anfang seines menschlichen Daseins an im Schoße Mariens hat er nämlich die beseligende Schau der Gottheit, sieht in seiner menschlichen Seele die allerheiligste Dreifaltigkeit von Angesicht zu Angesicht mit allen Ratschlüssen der göttlichen Vorsehung, seiner eigenen Sendung als Erlöser, er sieht das Schicksal einer jeden Menschenseele. Er ist darüber hinaus Hoherpriester des Neuen Bundes, d.h. vollkommener Mittler zwischen Gott und den Menschen, weil er die Nöte, Gebete, Danksagungen und die Anbetung des ganzen Menschengeschlechtes dem Vater darbringt und andererseits die Gnaden und Segnungen des Vaters über das Menschengeschlecht ausgießt. Sodann ist er nicht nur als Gott, sondern auch als Mensch kraft seines göttlichen Wesens und aufgrund des Loskaufes des Menschengeschlechtes König einer jeden Seele, einer jeden Familie, eines jeden Volkes. In ihm allein, und in keinem anderen, ist das Heil (Apg 4,12).

3. Folglich ist auch die Kirche als seine Stiftung göttlich und menschlich zugleich, vom Gottmenschen gegründet, von Menschen mit ihren Schwächen, Fehlern und Sünden getragen. Wenn der neue Bischof Wilmer von Hildesheim behauptet, wir müssten uns von dem Gedanken verabschieden, die Kirche sei rein und heilig, so widerspricht das nicht nur dem Credo („Ich glaube an die eine, heilige, katholische und apostolische Kirche“), sondern ist schlicht und einfach eine Gotteslästerung. Die Kirche ist wirklich der mystische Leib Christi, das neue Jerusalem, der auf die Erde herniedergestiegene Himmel, die Fortsetzung, Ausweitung und Verlängerung des Gottmenschen in der Krippe. Dies besagt aber auch, dass alle anderen Bekenntnisse und Religionen außerhalb der vom Krippenkind gestifteten Kirche Irrwege sind und nicht zum dreifaltigen Gott hinführen, sondern eher von ihm wegführen – sei es der Protestantismus oder der Islam.

4. Auch das christliche Leben hat eine göttliche, übernatürliche und gleichzeitig eine menschliche Dimension. Wir müssen einerseits ganz aus dem Glauben und aus der Gnade Christi leben, weil wir ohne Ihn nichts vermögen (Joh 15,6); andererseits müssen wir ganz menschlich, natürlich, verständnisvoll, hilfsbereit und barmherzig sein.

5. Weil Maria den Gottmenschen geboren hat, d.h. Gott seiner menschlichen Natur nach, ist sie wahre Gottesgebärerin. Auf diesen Titel stützen sich all ihre anderen Privilegien: die unbefleckte Empfängnis, die immerwährende Jungfräulichkeit, ihre Sündenlosigkeit und schließlich ihre Aufnahme mit Leib und Seele in den Himmel. Aus Miterlöserin hat sie zudem alle Gnaden, die der Gottmensch im strengen Sinn verdient hat, ihm untergeordnet mitverdient. Darum ist sie als Miterlöserin auch die Ausspenderin und Vermittlerin all dieser Gnaden. Man findet immer das Kind mit der Mutter.

Durch Maria zum fleischgewordenen Gott in der Krippe, durch diesen zum Vater.

Mit weihnachtlichem Gruß,

Ihr P. Franz Schmidberger

Regens

 

Die Gottheit und die Menscheit in Christus - Ephräm der Syrer